Achtsamkeit, Burn-Out und Peter Ustinov

Dieser Tage war es hier ganz schön ruhig, das tut mir aber nur ein bisschen leid. Ich habe einfach viel auf dem Schreibtisch und übe mich in der Achtsamkeit nur eine Sache auf einmal zu tun und das 100%. Und leider hat eben auch mein Tag nur 24h und ich gehöre auch nur zu den 97,5% der Menschheit, die nur in der Lage sind eine einzige Aufgabe auf einmal zu erledigen. Schließlich war es eins meiner Ziele dieses Jahr ruhiger zu werden und ich merke immer mehr, dass „Abschalten“ und der Verzicht auf Druck auf mich selbst  bei diesem Versuch das wichtigste überhaupt ist.

Wir können nur eine Sache auf einmal tun

In ihrem Buch PaläoPower: Das Wissen der Evolution nutzen für Ernährung, Gesundheit und Genuss schreibt Dr. Sabine Paul, dass es dem menschlichen Gehirn nicht möglich ist, mehr als zwei Aufgaben auf einmal auszuführen. Immerhin haben wir auch nur zwei Gehirnhälften und genau die übernähmen dann diese zwei Aufgaben. Jede Hälfte eine. Ich entschließe mich deshalb regelmäßig mein Telefon lautlos zu stellen. Mein Handy ist sowieso immer ohne Ton. Wer mich erreichen will, kann mir eine Nachricht schicken oder auf die Box sprechen. Ich komm schon dazu mich zurück zu melden. Mein Schlaf ist mir heilig und ich versuche regelmäßig mehr als 8 Stunden zu schlafen, denn Schlaf ist nicht nur wichtig, damit ich im Monotasking gut funktioniere, sondern auch dafür, dass ich überhaupt Lust und Laune habe irgendwas anzugehen. Es ist schon krank genug 8 oder 9 Stunden am Tag auf einen flimmernden Kasten zu starren. Diesen Wahnsinn auch noch unausgeschlafen zu versuchen, leistet nicht nur dem Burn-Out Vorschub, sondern fördert auch schwachsinnige Arbeitsergebnisse. Und wer will die schon abliefern.

Burn-Out durch Bullshit Jobs

In den Augen von Sabine Paul liegt hier übrigens der Grund für Burn-Out beim modernen Menschen. Der Versuch noch mehr, noch schneller zu machen führt irgendwann zwangsweise zum inneren Kollaps. Die Lebensinhalte Ernährung, Bewegung und Regeneration geraten zugunsten eines erfundenen Lebensinhaltes – wir nennen ihn mal Arbeit und Kommunikation – komplett in den Hintergrund und aus dem Lot. Die Komplexität unseres Alltags in den Büros nimmt zum Teil absurde Dimensionen an, die kaum jemand überschauen kann und die in mir als Menschen einen Druck erzeugen können, dem ich nur mühsam standhalten kann. Es wird mit viel zu vielen Menschen andauernd kommuniziert. Oft nur um des Kommunizierens Willen. Keynes – einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts – hat uns bereits Anfang des letzten Jahrhunderts die 15-Stunden-Woche vorausgesagt. Leider ist die bisher nicht eingetreten, weil es ein Frevel wäre, wenn die Menschen soviel Freizeit hätten. Sie könnten nachdenken und auf Gedanken kommen, sie könnten genau das machen, was wir bräuchten: zur Ruhe kommen, uns mehr bewegen, ihr eigenes Gemüse anbauen, debattieren, sich engagieren und die Welt auf einer Ebene verbessern, die wirklich funktioniert: auf der individuellen Ebene. Stattdessen erfinden wir Arbeit, die keiner braucht, nur, damit Menschen beschäftigt sind. E-Mails schreiben, PowerPoint-Präsentationen entwerfen, moderne Verwaltungssoftware bedienen. Die effektive Arbeitszeit beträgt zwar tatsächlich nur 15 Stunden, aber abgesessen werden 40, wenn nicht gar 50 Stunden bei wilder und absolut überflüssiger Kommunikation.

Business man with pc monitor on his head and error messages on t

Für mich ist es deshalb wichtig ab und an Abstand zu gewinnen und mir Zeit und Raum zu geben runter zu kommen, zu regenerieren, mir neues anzusehen, einen anderen Rhythmus anzunehmen und den Bullshit aus meinem Alltag zu streichen. Ich muss arbeiten um Geld zu verdienen – keine Frage. Aber um den Artikel mit meinem lieben Peter Ustinov abzuschließen: „Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.“ Es ist wichtig diese Erinnerung schön zu machen.

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