Auto-Immunerkrankungen und Ernährung

In den letzten Wochen bin ich immer wieder über das Thema Auto-Immunerkrankungen und Ernährung gestolpert. In einschlägigen Foren sind Menschen ahnungslos, welche Auswirkungen zum Beispiel Getreide auf ihren gesundheitlichen Zustand hat. Viele haben zwar einen Ernährungsberater aufgesucht, der dann aber nicht viel zu bieten hatte. Die Ernährung bildet aber definitiv einen wichtigen Ansatz bei der Behandlung von Autoimmun-Erkrankungen und ebenso bei der Vorstufe, der Immunreaktion. Da ich mich aktuell selbst am Autoimmun-Protokoll orientiere, hier mal eine Zusammenfasung meiner Erkenntnisse.

Das beste Beispiel dafür, dass eine Ernährung nach Paleo-Grundsätzen bzw. noch besser: nach dem paleoverwandten Autoimmun-Protokoll einen Versuch Wert ist, liefert die amerikanische Ärztin Dr. Terry Wahl in ihrem kürzlich erschienen Buch The Wahls Protocol. Auch Dr. Sarah Ballantyne vertritt diese These in The Paleo Approach, das bereits letztes Jahr erschien.

Beide Ärzte litten selbst unter einer Auto-Immunerkrankung wie Multiple Sklerose (Terry Wahl) oder unter einer ganzen Palette an Krankheiten wie Asthma, starke Allergien, Reflux, Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Depressionen, Arthritis, Psoriasis, Akne etc. (Sarah Ballantyne). Durch eine Minimierung der Allergene und potentiellen Krankheitsauslöser in ihrer Ernährung ist es beiden gelungen die Symptome zu minimieren oder sogar die Krankheit in ihrem Verlauf zu stoppen und rückgängig zu machen. Angesichts der Alternative, die eine jahrelange medikamentöse Behandlung mit sich bringt, sind das gewaltige Fortschritte, die durch eine optimierte persönliche Ernährung erzielt werden konnten.

Die Ergebnisse sind aber nicht nur für Menschen mit Auto-Immunerkrankungen interessant, sondern betreffen dich auch, wenn du unter starken Immunreaktionen wie Allergien oder verschiedenen Hautproblemen leidest. Diese sind oft „nur“ die Vorstufe einer sich entwickelnden Auto-Immunerkrankung. Nun aber von vorn.

Was sind Autoimmun-Erkrankungen?

„In jeder fünften deutschen Familie gibt es eine oder mehrere Autoimmun-Erkrankungen. Einige von ihnen, wie Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Diabetes Mellitus, Sklerodermie, Colitis ulcerosa u.a. sind allseits bekannt und erfahren sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Wissenschaft und Forschung die ihnen zustehende Aufmerksamkeit. Die meisten der mehr als 60 Autoimmun-Erkrankungen sind aber weitgehend unbekannt. Sie befinden sich in verschiedenen medizinischen Fachbereichen, in denen Sie aufgrund ihres geringen zahlenmäßigen Aufkommens eine untergeordnete Rolle spielen.“ schreibt die deutsche Auto-Immunstiftung auf ihrer Seite. Wer also das Glück hat beim Hautarzt aufgrund seiner neurodermitischen Ausschläge oder seiner Psoriasis auf den Begriff Immunreaktion oder Auto-Immunreaktion zu stoßen, kann hier weiter arbeiten. Häufig wird der Zusammenhang zwischen unserem Immunsystem und dem Symptom jedoch nicht erkannt.

Auf Wikipedia ist zu lesen, dass „hunderte Autoimmunkrankheiten bekannt (sind), wovon allein etwa 400 Erkrankungen dem „Rheumatischen Formenkreis“ zugeschrieben werden. Das Spektrum der erkrankten Organe ist groß. Es muss angenommen werden, dass praktisch jedes Organ oder Gewebe Ziel einer Autoimmunerkrankung sein kann.“ Eine Liste von Autoimmun-Erkrankungen gibts dann auch hier >>

Wie entstehen Autoimmun-Erkrankungen?

Wir gehen heute davon aus, dass Autoimmunerkrankungen grundsätzlich das Ergebnis der Interaktion deiner Gene mit deiner Umwelt sind. Der Körper ist nicht mehr in der Lage zwischen körpereigenen Zellen und fremden Eindringlingen zu unterscheiden. Auslöser einer solchen Reaktion können laut Ballantyne völlig unterschiedliche Dinge sein. Neben Chemikalien und Giften, stehen auch Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten, Stress, Hormone, unsere Ernährung, Medikamente und Impfungen, Übergewicht, Nährstoffmangel, UVB-Strahlung uvm. im Blickpunkt der Forschung.

Auch wenn wir heute noch nicht ganz verstehen, wie genau es zum Ausbruch der Krankheiten kommt, so gibt es doch drei Faktoren, die als Auslöser im Fokus stehen: Genetische Anfälligkeit; Auslöser aus unserer Umwelt; Ernährung und Lebensstil.

Den ersten beiden Punkte sind wir weitgehend ausgliefert. Den dritten Punkt können wir jedoch maßgeblich beeinflussen: passende Ernährung, Stressmanagement, Schlaf – um nur einige Faktoren zu nennen.

Auch hier wissen wir noch  nicht wie genau das alles geht, aber wir wissen, dass es Ernährungsfehler gibt, die zu Nährstoffdefiziten, einer gestörten Darmflora und damit zu Entzündungen und einer Aktivierung des Immunsystems führen.

So werden beispielswiese mehr und mehr Erkrankungen auf die Unverträglichkeit von Gluten zurück geführt. Durch den Konsum von Getreide und der damit verbundenen Schädigung des Darms, liegt laut Ballantyne bei fast allen Auto-Immunerkrankungen ein geschädigter Darm als anzunehmender Ausgangspunkt vor. Der Zusammenhang wird in der Medizin immer deutlicher, denn wir wissen, dass der Darm das Zentrum unseres Immunsystems ist.

Was wir ihm zuführen, beeinflusst also maßgeblich das Überleben oder Sterben unserer Mitbewohner – der Bakterien in unserem Darm, die für die richtige Aufspaltung der Lebensmittel und damit für die Bereitstellung der Nährstoffe aus unserer Nahrung verantwortlich sind. Aber auch der Gedeih und Verderb der Bakterien und Zellen, die die richtigen Feinde abwehren. Denn bei einer Autoimmun-Erkrankung kämpft der Körper in erster Linie gegen sich selbst.

Immunreaktionen als Vorboten

Zahlreiche Symptome sind aber auch „nur“ Vorboten einer Autoimmun-Erkrankung bzw. „nur“ auf eine einfache Immunreaktion zurückzuführen. Sie haben dennoch ähnliche Ursachen und sollten deshalb im Auge behalten werden. Der vorsichtige und zurückhaltende Umgang mit den auslösenden Lebensmitteln ist dann ebenfalls empfehlenswert.

  • Allergien
  • Ängste und Depressionen
  • niedriger Blutdruck
  • Verdauungsprobleme jeglicher Art (Blähungen, Krämpfe, Durchfall, Verstopfungen etc.)
  • Müdigkeit
  • Gallensteine
  • niedriger Blutzucker (ständiges Gefühl der Unterzuckerung)
  • Gedächtnisstörungen
  • Migräne
  • Muskel- oder Gelenkschmerzen
  • schwache Muskeln
  • PMS
  • Ekzeme und andere Hauterkrankungen
  • Wiederkehrende Kopfschmerzen
  • unerklärliches Übergewicht
  • Schlafstörungen
  • Infektanfälligkeit
  • Geschwollene Drüsen
  • Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion
  • unerklärliche Gewichtsschwankungen
  • Hefeinfektionen/-befall

Was ist das Autoimmun-Protokoll (AIP)?

Was ist Paleo?Das Autoimmun-Protokoll orientiert sich an der Ernährung nach Paleo-Grundsätzen und führt dazu, dass sämtliche Anti-Nährstoffe und potentielle Immunauslöser aus der Ernährung verbannt werden. An erster Stelle steht dabei sicherlich Getreide in all seinen Verwendungsformen. Neben Brot, Nudeln, Bier und Pizza, sollte auch auf die Verwendung in Fertiggerichten, als Kosmetikzusatzstoff etc. geachtet werden. Weiterhin gehören Milchprodukte (Milch, Käse etc.), Hülsenfrüchte (alle Linsen und Bohnen), Nachtschattengewächse (Tomaten, Kartoffeln etc.), Ei und sämtliche Zucker sowie Alkohol auf die rote Liste.

Übrig bleibt eine nährstoffreiche Ernährung basierend auf Gemüse, hochqualitativem Fleisch und Fisch sowie gesunden Fetten wie Olivenöl, Leinöl, Butter und Kokosfett. Besonders bei Fleisch ist auf eine hohe Qualität zu achten, da moderne Massentierhaltung vorrangig mit Getreide füttert! Wer sich der Qualität der Kuh nicht sicher ist, greift lieber zum Lamm – das frisst nämlich wirklich nichts außer Gras. Gutes Fleisch bekommt man zum Beispiel noch aus Irland, wo das Vieh ganzjährig draußen auf der Weide steht, aber auch in Deutschland gibt es mehr und mehr gute Zuchtbetriebe, die wieder Wert auf Qualität legen.

Wer es schafft, sich strikt an das AIP zu halten, wird nach 21 Tagen schon erste Besserungen feststellen. Ich selbst kann eine sukzessive Umstellung der Ernährung nur befürworten, da alles andere oft übermäßig Stress auslöst und den gilt es ebenfalls zu vermeiden.

Die Heilung eines defekten Darms, einer sogenannten Dysbiose, kann mit Präbiotika und anderen Bakterienkuren unterstützt werden, das allein ist jedoch nicht hilfreich, wenn weiterhin allergene Lebensmittel konsumiert werden. Die tatsächliche Effekte einer Verbesserung der Krankheitssymptome dauert hingegen seine Zeit. Zwei Jahre werden hier oft als Faustregel genannt. Tatsächlich ist aber jeder Mensch verschieden. Experten auf dem ernährungsphysiologischen Feld der Autoimmun-Erkrankungen sind leider selten. Einige wenige Heilpraktiker kennen sich mit dem Thema aus und können unterstützend zu Rate gezogen werden.

Wie genau funktioniert das? Dazu hier demnächst mehr.

Wer des Englischen mächtig ist, dem seien folgende Bücher ans Herz gelegt:

3 Comments to “Auto-Immunerkrankungen und Ernährung”
  • Philipp Metzger
    4. Oktober 2016 - Antworten

    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Ich bin selber Psoriatiker und meine Ernährungsumstellung hat mir sehr geholfen. Auf entzündungsfördernde Nahrungsmittel wie Schweinefleisch verzichte ich sogar ganz. Entzündungshemmende Nahrungsmittel wie Meeresfisch mit Omega 3 genieße ich hingegen oft. Sehr gute Erfahrungen habe ich auch mit der Klimatherapie am Toten Meer gemacht. Nach nur vier Wochen in einer Rehabilitationsklinik in Israel am Toten Meer war ich komplett erscheinungsfrei. Wichtig ist, dass man die Klimatherapie auch richtig umsetzt. Was man genau machen muss und wo man die besten Kliniken findet erfährt man auf psoriasismasterplan.com. Da Schuppenflechte nicht heilbar ist, geht es danach darum zu schauen, dass man möglichst lange erscheinungs- und beschwerdefrei bleibt. Da habe ich mit den Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin sehr gute Erfahrungen gemacht. Hilfreich ist es auch, wenn man in einer Selbsthilfegruppe mitmacht. Selbsthilfegruppen findet man über die Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft http://www.psoriasis-selbsthilfe.org. Alles zu den natürlichen Therapien findet man unter http://www.psoriasismasterplan.com. Es gibt keine Wundermittel gegen Auto-Immunerkrankungen, aber mit der richtigen Ernährung und der richtigen Kombination von inneren und äußeren natürlichen Therapien kann man bei Schuppenflechte erscheinungs- und beschwerdefrei werden.

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