„Du hast mich inspiriert.“

Gefühlte 2.000 mal habe ich in den letzten 18 Monaten erzählt, wie ich raus aus Depressionen und gefühlter Perspektivlosigkeit mein Leben auf den Kopf gestellt habe um noch was zu reißen. Meine Güte, ich war noch keine 30 und schon fertig. Keine Lust mehr auf Selbstmitleid. „Ab heute alles anders!“ war die Devise im April 2012 kurz nach meiner Rückkehr nach Deutschland – das Land der unfreundlichen Miesepeter! Dass ich dabei sofort hervorragende Vorbilder an die Seite bekommen habe, darf dabei natürlich nicht unerwähnt bleiben und ist für mich sicher die ganze Zeit ein Grund gewesen weiter an mir zu arbeiten. Selbstoptimierung ist sicher nicht das Ziel. Gesund werden schon.

Ernährung ist und bleibt die Grundlage von Gesundheit

Jedes Mal, wenn ich nun erzähle, welche Auswirkungen Ernährung auf unser Wohlbefinden hat, dass eine miserable Ernährung Auslöser, wenn nicht gar wesentliche Ursache psychischer und physischer Erkrankungen sein kann, werde ich einigermaßen staunend angeschaut.

„Du bist, was du isst“ ist heute nur noch eine Floskel, der kaum noch jemand Bedeutung beimisst. Stattdessen futtern Millionen von Menschen Blutdrucksenker, dubiose Cholesterinsenker, schmieren sich Cremes und Salben auf Ekzeme und Ausschläge und versuchen ihren Serotonin-Haushalt mit Chemie wieder herzustellen, bevor sie sich abends bei Fertigpizza eine Kochshow ansehen. Ibuprofen hilft bei Rückenschmerzen und nach dem letzten Kaffee gibts ne Pille zum Einschlafen.

Wer einmal am sogenannten Vorabend das öffentlich rechtliche Fernsehen anschaltet, gewinnt schnell den Eindruck, dass die Zielgruppe der Mainzer Anstalt überhaupt gar keine anderen Interessen hat als nicht-verschreibungspflichtige Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zu konsumieren. Nennt mich naiv und phantasielos, aber ich kann mir beim beim besten Willen immer nicht vorstellen, dass es wirklich Menschen gibt, die glauben, dass eine Industrie, die ihr Geld mit Krankheit verdient, auch nur das kleinste Interesse daran hat, dass ihre Kunden gesund werden.

Sicher, es ist so einfach den Pillendrehern die Verantwortung für das eigene körperliche Wohlbefinden zu überlassen. Und es ist so unbequem bei Regen eine Runde um den Park zu laufen oder sich ins Fitnessstudio zu schleppen. Sich nach 8 Stunden am Schreibtisch einmal zu strecken und sich 15 Minuten in die Küche zu stellen um etwas Gesundes zum Abendessen zuzubereiten. Es ist so viel einfacher den Pizzadienst zu rufen. Und es ist eine so viel schlechtere Entscheidung.

Dabei ist es gar nicht so schwer, ehrlich mit sich selbst zu sein.

Heute erreichte mich eine Mail von einer lieben Freundin und Studienkollegin. Ich traf sie vor vier Wochen das erste Mal seit meinem Turnaround wieder. Sie ist sehr übergewichtig. Genau wie ihr Mann, der zudem unter zahlreichen ernährungsinduzierten Krankheiten leidet. Beide sind noch keine 40 und haben ein kleines Kind. Nachdem sie mich traf und meine Geschichte hörte, fühlte sie sich offenbar so inspiriert es selbst zu probieren. Sie hat in den letzten vier Wochen fast 7 kg abgenommen! Ich weiß, dass das nicht gesund klingt, aber das passiert, wenn man so viel zu viel hat wie sie. Die Pfunde fliegen davon. Ich war sehr gerührt und mein Herz hüpfte, hüpfte und hüpfte den ganzen Tag. Ich hab sie motiviert etwas zu ändern! Nur mit meiner Geschichte! Die es nicht gäbe, wenn ich nicht jeden Tag daran arbeiten würde. Ich hoffe so sehr für sie, dass sie ihr massives Übergewicht in den Griff bekommt und für ihr Kind eine gesunde und agile Mutter sein kann.

Wenn ihr euch selbst nicht wertvoll genug seid, euren Kindern und euren Partnern seid ihr es. Vergesst Süßigkeiten und Spielzeug, reißt euch den A*** auf um euren Kindern lange gesund erhalten zu bleiben. Auch abends, auch wenn ihr kaputt vom Tag seid, auch wenn ihr müde seid.
Und eins ist auch versprochen: Your future self will thank you too.

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