Ein Jahr ohne Getreide

Dieser Tage jährt sich mein freiwilliger Getreideverzicht zum ersten Mal und es wird Zeit Bilanz zu ziehen.

Kann man ohne Getreide leben? Was isst man stattdessen? Wie kommt man im Alltag klar?

Zuerst einmal: ja, man kann auch in der heutigen Welt ohne Getreide leben. Auch wenn es in Form von Pizza, Pasta, Brot und Brötchen, Keksen und Kuchen allgegenwärtig ist, ist ein Leben ohne Getreide möglich. Die Anfangszeit war schwierig für mich und ich muss sagen, dass die Umstellung natürlich nicht von heute auf morgen geklappt hat. Ich habe eine Mahlzeit nach der anderen umgestellt. Zuerst habe ich das Abendessen – das ist bei uns immer warm – verändert. Keine Nudeln und kein „Abendbrot“ mehr. Schlank im Schlaf nennen das wohl die meisten heute.  Zum Frühstück gab‘s weiterhin zwei Scheiben Brot.

Im März 2013 habe ich dann versucht diese zwei Scheiben auch noch wegzulassen und zuerst auf Haferflockenbrei umgestellt. Der ist zwar auch glutenhaltig, aber erleichtert das umstellen auf ein warmes Frühstück. Nach zwei Wochen ging das ganz gut und ich war bereit für den nächsten Schritt: Rührei mit gedünstetem Gemüse oder ein paar Reste vom Vorabend. Ehrlich gesagt fiel mir das nicht sehr schwer. Ich war im Kopf soweit, dass ich das nicht als Verzicht begriffen habe. Man sagt ja, dass man rund 40 Impulse für eine Veränderung braucht. Ich glaube, die hatte ich dann einfach drin.

Schwierig wird es vor allem auf Reisen

willenskraft steigernIn der Zwischenzeit habe ich ein bisschen darüber geschrieben. In der Kategorie Getreidefrei findest du einige Erfahrungsberichte und Rezepte etc.

Richtig schwierig fand ich eigentlich nichts. Auch die Essenseinladungen habe ich mit Bravour gemeistert und Freunde und Familie haben sich -glaube und hoffe ich- mittlerweile dran gewöhnt. Sicher, man muss sich am Anfang ein bisschen entschuldigen und der ein oder andere ist der Meinung, dass das kein Leben sei, aber damit kommt man klar. Ist schließlich deren Meinung und nicht meine. Mittlerweile erkläre ich einfach, dass ich es zur Zeit nicht vertrage, damit ist das Thema schnell gegessen.

Ich muss allerdings zugeben, dass es durchaus ein bisschen Aufmerksamkeit und Voraussicht erfordert standhaft zu bleiben. Da sich die Effekte einer getreidefreien Ernährung auch wirklich nur einstellen, wenn man sich zu 100% getreidefrei ernährt, gibt es auch wirklich gar keine Ausnahmen am Bahnhof, Flughafen oder im Lieblings-Coffee Shop. Vor allem in den ersten Monaten ist das manchmal schwer. Wenn sich der Körper von den massiven Kohlenhydratmengen erholt und die Heißhungerattacken noch regelmäßig einsetzen, läuft man nur schwer bei Ditsch und Co. vorbei. Ein Apfel oder eine Karotte in der Tasche war bei mir deshalb immer Pflicht. Es ist in Deutschland leider sehr schwer unterwegs Obst oder Gemüse zu kaufen, wenn man nicht gerade am Berliner Hauptbahnhof zwischenlandet.

Nach ein paar Monaten hat man das aber drauf und der Heißhunger bleibt auch aus. Dann kommt man auch schon mal einen Tag ohne Essen aus und verhungert nicht gleich im nächsten Blutzuckertief. Das erlebt man dank low carb dann nämlich nicht mehr. Den Apfel oder die Möhre hab ich trotzdem oft griffbereit bzw. kaufe sie mir schnell im nächsten Supermarkt.

Weihnachten und Geburtstag überstehen

In der Weihnachtszeit war ich glücklicherweise schon so weit, dass ich ohne Probleme an den Weihnachtstellern vorbei gehen konnte. Zum Glück. Was wir geschenkt bekommen haben, haben wir selig weiter verschenkt – meist zur beiderseitigen Freude (leider).

So geht es mir ohne Getreide

Alles in allem geht es mir deutlich besser als noch vor einem Jahr. Ich habe eine Liste von Verbesserungen an meiner Gesundheit erfahren, die darauf hindeuten, dass ich viele Nährstoffe schon besser aufnehmen kann. Nicht, dass ich damit gerechnet hatte. Dazu gehören:

  • Keine massiven Stimmungsschwankungen mehr (leichte natürlich schon noch)
  • Kein PMS mehr
  • Kaum noch Haarausfall
  • Einige Fettpolster aufgelöst
  • Bräunungsfähigkeit der Haut wieder hergestellt
  • bye bye brain fog

 

Besonders der letzte Punkt hält mich persönlich bei der Stange. Ohne „brain fog“, wie es in der Literatur oft lapidar heißt, ist es mir nun möglich eine Beziehung zu meiner Umwelt aufzubauen. Die Fähigkeit Empathie zu empfinden und mich selbst sinnvoll zu reflektieren, war mir zeitweise völlig abhanden gekommen. Was für andere aussah wie irrationales Denken, war für mich einfach die Unfähigkeit eine Verbindung zwischen mir und meinen Mitmenschen herzustellen. Das klingt ein bisschen nach phasenweisem Autismus, oder? Es hat sich jedenfalls fast so angefühlt. Für mich immer noch sehr seltsam das Ganze, aber unsere Ernährung hat eben einen nicht ganz unwesentlichen Einfluss auf unser Befinden – auch auf das mentale.

Letztlich hat es dazu geführt, dass ich keinen Bedarf mehr entwickelt habe auch nur eine Scheibe Brot zu essen. Stattdessen backe ich selber getreidefreies Brot für seltenere Anlässe. Pizza und Pasta ist ersatzlos weggefallen und ich habe eine Vorliebe für Kohlgemüse entwickelt.

So geht getreidefreie Ernährung

Paleo ErnährungspyramideWer sich für eine getreidefreie Ernährung interessiert, dem seien die Bücher unten ans Herz gelegt. Wichtig ist, dass du zu 100% auf Getreide verzichtest. Kein Hafer, kein Roggen und auch kein Dinkel. Auf was du genau achten solltest, findest du in diesem Artikel: getreidefreie Ernährung – So geht’s

Und ein wichtiger Punkt zum Schluss: Lass dich nicht von einem schlechten Ernährungsberater ins Bockshorn jagen. Ein Leben ohne Getreide ist möglich und weder eine Strafe, noch leidest du an irgendeinem Mangel, wenn du kein Getreide mehr isst. Voraussetzung ist eine abwechslungsreiche Ernährung basierend auf möglichst vielen Gemüsesorten, ggf. kombiniert mit Fleisch und Fisch. Eine Orientierung an der Paleo-Ernährung macht in meinen Augen Sinn. Ich würde niemandem empfehlen stattdessen auf glutenfreie Brötchen umzusteigen oder sich für viel Geld abgepacktes Brot zu kaufen. Das hat mit gesunder Ernährung nichts zu tun.

Hast du vor Getreide aufzugeben oder hast du bereits erste Erfahrungen? Ich würde mich freuen von dir zu hören!  Einfach unten in die Kommentare oder auf unserer Facebook-Seite.

Und an diese Stelle gehört auch nochmal ein großes Dankeschön an meinen lieben Ex-Coach Philipp. Du warst eine großartige Inspiration und fehlst mir schon noch sehr.

13 Comments to “Ein Jahr ohne Getreide”
  • Barbara
    4. Mai 2014 - Antworten

    Hallo Uuliv

    ich habe heute Deine Seite entdeckt..
    Seit Dezember 2013 esse ich kein Getreide mehr. Bis dahin habe ich sehr
    gerne und relativ viel Getreide gegessen, morgens gab´s immer einen
    schönen dicken Getreidebrei aus Hafer, Hirse oder anderem Getreide.
    Ich habe es geliebt, aber nicht vertragen. Es machte mich müde und
    belastete mein Verdauungssystem. Ich hatte immer mal wieder
    Unterzuckerungen.
    Und jetzt, fast 6 Monate ohne? „Ohne“ heißt: statt Getreide deutlich
    mehr Fleisch, Fett und Gemüse.
    Das erste, was passierte, ist:
    meine Rückenschmerzen verschwanden. Ehrlich gesagt weiß ich nicht,
    ob das nun Zufall ist und ob da überhaupt ein Zusammenhang besteht.
    Aber sie sind weg.
    Dann sind meine Zähne unempfindlicher geworden. Ich konnte vorher keinen
    Apfel mehr essen. Meine Zahnhälse liegen frei und reagieren
    empfindlich auf Säure. Das ist viel besser geworden.
    PMS und Menstruationsbeschwerden wie Schmerzen und Erschöpfung sind bei

    mir auch so gut wie weg.
    In der Getreidephase hatte ich – wie gesagt – hin und wieder
    Unterzuckerungen und in der Übergangsphase waren sie ziemlich oft.
    Ich konnte keinen Spaziergang machen ohne zu unterzuckern. Das ist
    weg. Mein Blutzucker ist jetzt stabil.
    Früher habe ich nie Rohkost gegessen. Sobald das Getreide weg war, hab ich
    automatisch angefangen, mir Salate zu machen. Ich hatte es gar nicht
    vor, es lief einfach von selbst. Damit hab ich gar nicht gerechnet.
    Kein Getreidebrei mehr, war und ist Balsam für mein Verdauungssystem.
    Was mir auch klar geworden ist, ist das große Suchtpotential von
    Getreide. Ich habe mich eine Zeit lang auf Nussmehle als Ersatz
    gestürzt. Aber das ist auch keine gesunde Lösung. Getreide und auch
    Nussmehlkreationen haben mich immer emotional stark befriedigt,
    irgendwie glücklich gemacht.
    Das fällt mir jetzt auf, wo ich beides weg lasse. Fleisch, Fisch, Eier
    und Gemüse schmecken mir gut, tun mir gut, aber dieses
    Suchtpotential haben sie nicht. Das Essen ist „nüchterner“
    geworden. Daran mußte ich mich erst gewöhnen. Ist mir, ehrlich
    gesagt, nicht ganz leicht gefallen. Ich hab doch sehr stark am Mehl
    gehangen und musste mich echt zusammenreißen, um das Nussmehl zu
    reduzieren und irgendwann ganz zu streichen.

    Das war´s erstmal. Danke für Deine informativen Berichte.
    Herzliche Grüsse

    Barbara

  • Sebastian
    2. März 2015 - Antworten

    Auch wenn der Beitrag schon bald ein Jahr alt ist, trotzdem eine Frage in der Hoffnung auf Antwort.
    Warum stellen sich die Effekte einer getreidefreien Ernährung nur ein, wenn man 100% auf Getreideprodukte verzichtet? Ich stelle mir das eher so vor. Je weniger Getreide, desto größer ist der Effekt.

    • nadja

      nadja
      6. März 2015 - Antworten

      Hallo Sebastian, vielen Dank für deinen Kommentar. Grundsätzlich glaube ich, dass eine Reduktion schon sehr viel bringt, aber nicht den vollen Effekt. Ich hatte ja geschrieben, dass es für mich mit täglich 2 Scheiben Brot nicht geklappt hat. Je nachdem was weniger für dich bedeutet, heißt das natürlich auch keinen vollständigen Verzicht. Ich kenne viele Menschen, die hin und wieder Brötchen und Nudeln etc. essen, nur eben nicht täglich. Also grundsätzlich ja: je weniger, desto größer der Effekt. Bei 0% also maximaler Effekt. Liebe Grüße, Nadja

  • Claudia
    25. März 2015 - Antworten

    Hallo.
    Ich war vor drei Wochen bei einem Seminar für Yoga und Meditation und habe eine Konsultatin bei einer indischen Ärztin gehabt. Diese hat mir meine Wehwehchen auf den Kopf zugesagt und mir einige Verhaltensweisen bzgl. div. Nahrungsmittel auf den Weg gegeben.
    Habe aber zu Hause diese Sachen im Internet recherchiert und bin dabei auf Zusammenhänge Getreidesensibilität, Arthrose und Hashimoto (Autoimmunerkrankheit,d. Schilddrüse) gestoßen. Im ersten Moment war ich sehr erschrocken und habe für mich entschieden, eine getreidefreie Ernährung auszuprobieren. Nach dem Motto: entweder hilft es, Schäden tut es auf keinen Fall.

    Es ist doch echt schwierig, den Übergang zu finden und habe am Anfang im falschem Glauben diverse Haferprodukte und glutenfreie Sachen gekauft.
    Hab ich dann alles verschenkt. 😉
    Jetzt bin ich dabei so nach und nach für mich die richtigen Lebensmitteln rauszufiltern.
    Ich werde weiter berichten und mir hier immer wieder neue Anregungen holen.

    Liebe Grüße. Claudia

    • nadja

      nadja
      28. März 2015 - Antworten

      Liebe Claudia, ja, gerade bei Arthrose oder Schilddrüsenproblemen scheint Getreide eine wichtige Rolle zu spielen. Es freut mich, wenn Du hier Ideen findest. Für mich war die Umstellung damals keine bewusst gesundheitliche, aber der Effekt war enorm. Dieser Tage sind es zwei Jahre „ohne Brot“ und es war für mich die beste Entscheidung, die ich je zufällig getroffen habe. Bald gibt es einen Artikel dazu. Liebe Grüße, Nadja

  • Detlef
    25. Januar 2016 - Antworten

    Ohne Getreide geht es mir auch besser, ich falle aber immer wieder auf Backwaren rein weil es ja so schön einfach ist und schnell geht. Eine Frage, wie hälst du es mit Kartoffeln, Süsskartoffeln und Kürbis?
    Gruß Detlef

    • nadja

      nadja
      17. Februar 2016 - Antworten

      Hallo Detlef, ja, es ist schwer sich so zu organisieren, dass man nicht immer beim Bäcker abbiegt, aber mit etwas Übung klappt es irgendwann. Jeder Tag zählt 😉 Ich selbst esse hin und wieder Süßkartoffeln und Kürbis, lebe aber Low-Carb, sodass diese Lebensmittel jetzt keine wichtige Rolle spielen. Es ist eher eine geschmacklich Frage. Beide liefern – im Gegensatz zu normalen Kartoffeln einige Vitamine und Mineralstoffe. Normale Kartoffeln habe ich zusammen mit den meisten Nachtschattengewächsen aufgrund meiner Neurodermitis stark reduziert. Liebe Grüße, Nadja

  • Mats
    16. Februar 2016 - Antworten

    Hi Nadja, danke für den interessanten Artikel! Mich hätte interessiert was du von Reis hälst, so als Kohlenhydrate-Lieferant.
    Danke.
    Liebe Grüße
    Mats

    • nadja

      nadja
      17. Februar 2016 - Antworten

      Hi Mats, in der Paleo-Ernährung findet Reis nicht statt und ich persönlich mag ihn auch nicht. Einige Vertreter, wie Diane Sanfillipo (Practical Paleo) halten weißen Reis jedoch für eine gute Stärkequelle, gerade für Menschen, die viel Sport treiben. Von der Vollkorn-Reis-Mode halte ich nichts, da auch Reis in seiner Schale jede Menge Antinährstoffe enthält, die die Verdauung beeinträchtigen. Liebe Grüße, Nadja

  • Lisa
    16. Februar 2016 - Antworten

    Hallo,
    ich habe deine Erfahrung mit großem Interesse gelesen. Ich habe ein paar Fragen zu getreidefreier Ernährung. Bei mir wurde eine Getreideunverträglichkeit festgestellt und ich esse nun seit 5 Wochen keinerlei Getreide mehr. Ich habe mir mein Frühstücksmüsli zum Beispiel durch buchweizenflocken, Quinoaflocken und co ersetzt. Ich habe auch festgestellt dass ich nach meinen Mahlzeiten nicht mehr in eine schwere Müdigkeit verfalle. Ich habe allerdings auch ein Problem festgestellt was mir langsam unangenehm wird, seitdem ich diese Umstellung mache bekomme ich extreme Heißhungerattacken die ich teils kaum regulieren kann, ich nehme dadurch auch langsam zu. Ist das normal nach so einer Umstellung? Wenn ja wie lange dauert es bis der Körper sich umgestellt hat bzw. gibt es irgendwas was ich dagegen tun kann? Vielen Dank für Deine Erfahrungen!

    • nadja

      nadja
      17. Februar 2016 - Antworten

      Hallo Lisa, Heißhungerattacken sind eigentlich meist ein Zeichen für einen instabilen Blutzuckerspiegel oder einen Mangel an bestimmten Nährstoffen. Getreide und auch die von dir nun bevorzugten Pseudogetreide führen eigentlich beide dazu, weshalb ich mir einen Zusammenhang mit Pseudogetreide nicht unbedingt erklären könnte. Vielleicht möchtest du es mal mit Quark, 1EL Leinöl und Nüssen zum Frühstück probieren und schauen, ob es besser wird? Es gibt auch glutenfreie Haferflocken, die eigentlich gut vertragen werden und den Blutzucker stabilisieren. (Haferflocken sind eigentlich von Natur aus glutenfrei, sie werden nur in Deutschland neben Weizen etc. angebaut, weshalb es zu Kreuzkontamination kommen kann.) Eventuell fehlt anderweitig Fett und Eiweiß? Ist aufgrund deiner Angaben schwer zu sagen. Liebe Grüße, Nadja
      P.S.: Mehr Informationen findest du hier: http://blog.foodlinx.de/wie-du-den-heisshunger-besiegst/

  • Carmen
    10. August 2016 - Antworten

    Kein „Brain Fog“ – kein Nebel im Gehirn? Aber ja – die Pyramide beinhaltet Tierleichen und Tiermenstruation – also bitte das auch noch weg lassen, dann klappt’s auch mit der klaren Denkweise!

  • Jule
    31. August 2016 - Antworten

    Hallo, bin auf deine Seite gestoßen und habe weiter recherchiert und will für mich das Projekt „getreidefreies Essen“ probieren. Ich lese unterschiedliche Meinungen bezüglich des Verzehrs von Kartoffeln und Reis(den Gräsern zuzuordnen).. Was sagst du dazu?

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