grüne smoothies
Grüne Smoothies – ja oder nein?

Beim Thema grüne Smoothies scheiden sich die Geister. Vor allem in der Paleo Welt. Bis vor einigen Monaten habe ich ehrlich gesagt auch nicht viel davon gehalten. Schließlich orientiert man sich ja an dem, was andere im Bereich Paleo so publizieren. Wenn es um grüne Smoothies geht, war mir immer ein Artikel von Diane Sanfilippo im Kopf, indem sie sich explizit gegen das grüne Trendmixgetränk ausspricht. Diese Woche, bin ich dann wieder über einen Artikel gestolpert, der sich wortreich gegen grünes Smoothies ausspricht, aber leider von jemandem verfasst wurde, der sich mit dem Thema überhaupt nicht beschäftigt hat.

Man kann von vielen Ernährungstrends halten was man will und ich bin sicherlich die letzte, die irgendwelche Sachen als erste ausprobiert. Grünes Smoothies erschienen mir deshalb auch immer wie zusammengerührtes Zeug, das ich viel besser als feste Mahlzeit zu mir nehmen kann. Bei mir gibt es täglich Salat, Obst, und noch viel mehr Gemüse. Ich habe also keinen Grund darin gesehen, dass alles in den Mixer zu werfen. Zu Weihnachten habe ich dann aber einen Mixer geschenkt bekommen. Zwei Wochen später zum Geburtstag kamen dann Bücher und verschiedene Pülverchen dazu. Auch wenn ich zuerst etwas gegen den Widerstand zuhause ankämpfen musste, steht der Mixer nun in unserer Küche (wir haben nicht viel Platz, deshalb musste eine Entscheidung zwischen Kaffeemasche oder Mixer getroffen werden.)

Die Geschichte der grünen Smoothies

Erfinderin der Grünen Smoothies ist Victoria Butenko. Die Rohköstlerin suchte im Jahr 2002 einen Weg, für sich und ihre Familie mehr Pflanzengrün in den Speiseplan einzubauen. Die man sich vorstellen kann, ist es für Rohköstler einigermaßen schwierig über Salat hinaus grünes Gemüse zu verzehren. Victoria beobachtete also Schimpansen nach einem Weg zu suchen, bzw. von der Natur zu lernen. Schimpansen haben zu 99 % die gleichen Gene wie wir, unterscheiden sich aber in ihrer Ernährung wesentlich. Schimpansen sind ebenfalls Rohköstler und nehmen bis auf ein paar Käfer sehr wenige tierische Proteine zu sich. Victoria beobachtete, dass die Affen teilweise ihr Obst in grüne Blätter einwickelten, den Wrap in Wasser tunkten und das Ganze dann verspeisten. Irgendwann im Jahr 2004 kam ihr dann die Idee, einen Kopf grünen Salat zusammen mit Früchten in den Mixer zu werfen und mit Wasser zu vermixen. Das Ergebnis ist das, was wir heute als grünen Smoothie kennen.

Die Vorteile von grünen Smoothies

In meinen Augen gibt es für die meisten Menschen eine ganze Reihe von Vorteilen, wenn regelmäßig grünes Smoothies konsumiert werden. Auch wenn ich selber nicht dazu gehöre, so sind sie für manche ein Weg, mit wenig Zeitaufwand Obst und auch Pflanzengrün in ihre Ernährung überhaupt einzubauen. Die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse sind mit grünen Smoothies gar kein Problem.

Auch, wenn wir als Menschen eigentlich keine Rohköstler wie Victoria Boutenko sind, so ist der Verzehr von Rohkost durchaus empfehlenswert. Rohkost, auch oft als Vitalkost bezeichnet, enthält noch erheblich mehr ursprüngliche Nährstoffe, als gekochte Kost. Viele Menschen, die sich Obst oder auch Gemüse komplett abgewöhnt haben, bekommen beim Verzehr von rohem Obst oder Gemüse Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall. Der Grund hierfür ist laut Dr. Guth, einem der deutschen Smoothie-Experten, dass wir viel zu hastig runterschlingen, also zu wenig Kauen. Das Kauen ist bereits der erste Schritt einer anständigen Verdauung.

Deswegen werden grüne Smoothies auch nicht, wie vielfach angenommen, getrunken, sondern gekaut. Durch den Prozess des Mixens wird uns diese Aufgabe zwar weitgehend abgenommen, es ist aber trotzdem wichtig, den Smoothie ordentlich einzuspeicheln.

Der Vorteil, den der grüne Smoothie für den Verdauungstrakt hat, ist eine Entlastung von vielen Aufgaben. Da die Rohkost weitgehend zerkleinert ist, muss der Verdauungstrakt diese Aufgabe nicht mehr vollständig allein übernehmen. Ich glaube, dass das insbesondere für Menschen mit Verdauungsbeschwerden, Magensäuremangel, einem durchlässigen Darm, Nährstoffmangel et cetera ein Vorteil sein kann.

Victoria Boutenko beschreibt das in ihrem Buch sehr gut. Gerade für Menschen, die unter zu wenig Magensäure leiden (Reflux, Sodbrennen et cetera), sind grüne Smoothies eine gute Möglichkeit die Nährstoffe aus Salat, Blattgrün sowie Obst, vollständig aufzunehmen und zu absorbieren, weil der Magen das Grün nicht mehr zerlegen muss. Früher hat man Menschen mit Sodbrennen und Reflux Chlorophyll-Tabletten gegeben. Auch bei Mundgeruch und starkem Körpergeruch wurde das Pflanzengrün in Tablettenform viele Jahre eingesetzt. (Offensichtlich, war das langfristig für die Industrie nicht lukrativ genug.)

DSC02038Auch für die Darmflora bieten grüne Smoothies Vorteile. Die Menge an Ballaststoffen und Chlorophyll, die wir mit grünen Smoothies aufnehmen können, sind ein Fest für unsere guten Bakterien. Ballaststoffe sind nicht nur wichtig für den Transport des Stuhls, die Motilität des Darms und das Sättigungsgefühl, sondern Sie spielen auch eine wichtige Rolle für unsere guten Darmbakterien. Sie bilden daraus Fettsäuren zur Regenerierung der Darmschleimhaut und tragen so zu ihrer Gesundheit bei.

Ein weiteres Argument gegen grüne Smoothies sind auch die Zutaten, die uns als moderne Menschen manchmal unwahrscheinlich absurd erscheinen. Aber nur weil wir im Jahr 2015 seltener Fichtentriebe auf dem Teller haben, sie noch lange nicht ungesund oder etwas Ungewöhnliches. Insbesondere Baumtriebe und Wildkräuter waren für unsere Vorfahren (und da müssen wir nicht so viele Generationen zurück gehen!), und sind heute noch für viele Menschen, ein vollkommen legitimes Nahrungsmittel. Auch Möhrengrün ist keinesfalls gesundheitsschädlich es hat einen angenehmen süßlichen Geschmack. Da kann der dicke Udo Pollmer sagen was er will.

Auch die Blätter der roten Beete können durchaus roh verzehrt werden. Nur weil es bei unserer durch Handelskonzerne eingeschränkten Nahrungsmittelauswahl nicht mehr auf jedem Tisch vorkommt, ist es noch lange nicht ungesund.

Was spricht gegen grüne Smoothies?

Grüne Smoothies sind zu Recht kein Mahlzeitenersatz. Sie sind vielmehr eine kleine Minimahlzeit, die unsere normale Ernährung ergänzen kann. Wenn ich im Laufe des Tages, 1 l grünen Smoothie (enthält 250-400 ml Wasser) trinke, dann esse ich in der Regel an diesem Tag kein Obst. Das Zuckerargument zählt für mich beim Genuss selbst zubereiteter grüner Smoothies nicht, denn den Zucker, würde ich mit Obst genauso zu mir nehmen. Ich weiß auch nicht, warum mein Gehirn den Zucker nicht als solchen erkennen sollte, wie manche Autoren das behaupten. Ich persönlich halte meinen Körper für wesentlich intelligenter, zumal der grüne Smoothie eben nicht getrunken, sondern gekaut wird.

Vor einigen Wochen erzählte mir eine Kollegin, dass sich der Gründer von veganz eine ganze Zeit lang komplett von Grünen Smoothies ernährt hat. Bis seine Zähne wacklig wurden. Der Körper stellt den Nutzen der Dinge ein, die er nicht mehr benötigt.

Ich glaube also nicht, dass grüne Smoothies unsere Nahrungsgrundlage werden sollten. Vielmehr sind sie jedoch für viele Menschen, eine gute Ergänzung, um den Rohkostanteil an ihre Ernährung und vor allem den Anteil nicht-industriell verarbeiteter Lebensmittel an ihrer Ernährung zu erhöhen.

Allen, die mehr darüber erfahren möchten und in die Theorie hinter den grünen Smoothies eintauchen wollen, kann ich übrigens dieses Webinar ans Herz legen: Webinar Einführung Grüne Smoothies. Hier erfährst du alles, was Du zum Thema wissen musst. Wer live am 14.04.2015 teilnimmt, kann auch Fragen stellen und Kritik äußern
 
Wie siehst Du das? Isst Du grüne Smoothies? Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

2 Comments to “Grüne Smoothies – ja oder nein?”
  • Sarah
    20. April 2015 - Antworten

    Sehr interessanter und kritischer Beitrag!
    Ich habe schon so oft etwas über Grüne Smoothies gelesen. Aber dass diese „gekaut“ werden noch nie. Das Mixen bei hoher Geschwindigkeit und hoher Leistung wird von vielen empfohlen um eben dem Darm die Arbeit zu erleichtern und auch gleichzeitig die Aufnahme der Nährstoffe durch den Körper unkomplizierter zu gestalten.
    Als Mahlzeitersatz – wie geschrieben wurde – sollte er auch m.M. nach nicht eingesetzt werden, bzw. nciht regelmäßig.

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