Hauptsache „glutenfrei“!

Lebensmittel, die frei von irgendwas sind, erfreuen sich in Deutschland in den vergangenen Monaten und Jahren größter Beliebtheit. Was vegan ist und damit frei von tierischen Produkten wird mittlerweile von weit mehr Menschen gekauft als von den 1% Veganern. Die Supermarktregale füllen sich zusehends mit Soja-, Mandel- oder sontwas-Milch. Ähnlich ist es mit glutenfreien Produkten.

Glutenfrei Label

Dass das Thema glutenfreie Ernährung immer präsenter wird, sehe ich Monat für Monat an meiner Blogstatistik. Vor allem getreidefreies Brot hat es den Menschen offenbar angetan. Wer keine Zeit hat selbst zu backen, ist dann schon hin und wieder versucht ins glutenfreien Regal zu greifen. Dabei sollte man mit den Produkten, die da angeboten werden wirklich vorsichtig sein.

Sind glutenfreie Produkte gesünder?

Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Getreide nicht die Grundlage unserer Ernährung sein sollte. Klar, in Mangelzeiten macht es viele Menschen schnell satt, aber der Krieg ist vorbei. Unsere Ernährungssituation in Europa ist akzeptabel – natürlich mit allen negativen Auswirkungen auf unsere Umwelt und die Menschen in der dritten Welt – dennoch müssen wir uns zu weiten Teilen nicht mehr möglichst billig mästen. Trotzdem sind Brot und Brötchen, Pizza und Pasta zu einer Art Nahrungsgrundlage in  geworden, die viele nicht mehr missen möchten. Die Butterstulle ist so schön praktisch unterwegs, die Pizza-Ecke am Bahnhof ist schmackhaft und macht in stressigen Zeiten auch emotional ganz schön satt. Warum also nicht ab sofort in der glutenfreien Ecke einkaufen? Immerhin gibt es doch wirklich überhaupt nichts praktischeres als Brot!

Erstens, weil glutenfreie Produkte laut EU Verordnung nicht vollständig glutenfrei sind. Mit 20mg/kg ist in glutenfreien Produkten immernoch Gluten enthalten, was vor allem für Zöliakiepatienten ein unnötiges Risiko darstellt. Tatsächlich glutenfrei ist nur, was auch in der Natur ohne Gluten heranwächst.

Zweitens handelt es sich bei glutenfreiem Brot, Nudeln, Keksen etc. immer noch um ein hochverarbeitetes Lebensmittel, das in keiner Weise natürlich ist und als gesunde Ernährung durchgeht. Getreide-/Stärkeprodukte sind konzentrierte Quellen einfacher Kohlenhydrate, die sehr schnell vom Körper aufgenommen werden und den Blutzucker- und damit auch den Insulinspiegel ad hoc in die Höhe treiben. Wir wissen aber heute, dass ein ständiges auf und ab des Blutzuckerspiegels nicht nur zur Entwicklung des metabolischen Syndroms oder Diabetes führen kann, sondern auch Demenz und Alzheimer begünstigt. Außerdem fühlt man sich beim andauernden Genuss einfacher Kohlenhydrate ständig schlapp und hungrig und müde, wer will das schon?

Drittens, sogenannte diätetische Speziallebensmittel lassen sich die Hersteller teuer bezahlen. Das muss auch so sein, denn die Zielgruppe ist klein, das Marketing teuer. Für das gleiche Geld gibt es Unmengen Gemüse und Obst, das nicht nur gesünder ist, sondern auch wesentlich mehr und bessere Nährstoffe liefert.

Der regelmäßige Konsum glutenfreier Produkte kann also nicht befürwortet werden. Er sollte eher eine abolute Ausnahme darstellen und bei Zöliakie-Patienten nach Möglichkeit ganz weg fallen.

In diesem Sinne: Guten Appetit!

 

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