Kolumne: Saubere Kleidung, gutes Gewissen?

Im Moment hacken alle auf Primark rum. Ausbeuter, Verbrecher, Sklaventreiber, Umweltvernichter. Keine Frage, die Zustände, die ausgehalten werden müssen um die billigen T-Shirts und Blümchenkleidchen herzustellen, sind fürchterlich. Aber seien wir ehrlich. Es ist ja nicht so, dass die teureren T-Shirts alle aus sauberen Nähateliers in Mailand oder London stammen. Ganz im Gegenteil: ob ich nun 5 EUR oder 75 EUR für mein Polo-Shirt ausgebe, ist den Näherinnen in den Massenfabriken im mittleren Osten ziemlich egal. Ankommen tun bei ihnen nur Centbeträge und schlechtes Essen, miserable hygienische Umstände und eine chemisch versaute Umwelt.

Ob wir nun auf den Billigproduzenten Primark verzichten oder lieber den Arbeitern helfen überhaupt etwas zu verdienen, ob wir lieber tiefer in die Tasche greifen und damit der Ausbeutung statt in Bangladesh in El Salvador unter die Arme greifen, ist doch verhältnismäßig egal.

Dabei könnten wir so viel tun! Wie wäre es zum Beispiel damit, sich mal auf das wesentliche zu besinnen und auf den ganzen Müll, den du sowieso nicht brauchst zu verzichten?

Wir könnten uns stattdessen einmal im Jahr eine Jeans bei Manomama bestellen, denn die weben sogar ihre Stoffe in der Augsburger Fabrik; oder ein teureres und dafür auch individuell kauziges Shirt bei Trigema ordern; oder einfach mal zur Schneiderin an der Ecke gehen, denn die verlangt für eine Maßanfertigung in der Regel auch nicht mehr als die meisten Kleiderhändler für ein Kleid von der Stange.

Und zum Schluss kann man sich auch mal fragen, warum man denn den ganzen Kram braucht. Meine persönliche Theorie ist ja, dass es Menschen, die mit sich selbst im Reinen sind, vollkommen egal ist, was sie am Leib tragen. Recht haben sie.

 

P.S.: Dieser Beitrag passt hervorragend zum Thema. Sehr sehenswert!

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