Kolumne: Perfektion und Dankbarkeit

Was für eine Woche. Sie fing an mit einem wunderschönen Urlaub in Porto, Nord-Portugal und ging weiter mit Scheiße, die aus jeder nur erdenklichen Ecke flog. Die schönen und tollen Dinge, die nebenbei ja auch noch passieren, konnten vor lauter Sorge gar nicht mehr richtig genossen  werden.

„Was machst du nur, wenn wirklich mal was ist?“

Das war die Standardfrage des Mannes –  morgens und abends. Stimmt. Eigentlich ist nichts los und ich fühl mich innerlich zerrissen, kann den völlig verschiedenen Problemen, die meine ganze Denkkraft und Konzentration fordern, nicht mehr angemessen begegnen. Mein Kopf ist verteilt auf 1000 Sachen. Statt vorm Yoga-Loft, steh ich abends vorm Weinladen (hello crazy!); statt zum Training zu gehen, sitz ich am Rechner oder suche Ruhe, wo keine Ruhe zu finden ist. Irgendwas läuft hier gewaltig falsch.

Oft tanzen wir auf viel zu vielen Hochzeiten und sollten schleunigst zusehen, dass wir die ein oder andere verlassen. Nur wie? Wir wollen nicht im Streit auseinander gehen; wir wollen nicht, dass jemand von uns enttäuscht ist; wir wollen immer alles geben und keine Verluste machen – nicht für uns und nicht für unseren Chef oder Auftraggeber. Aber vor allem wollen wir bei all dem immernoch der beste Partner, die beste Partnerin, Mutter, Vater, Tochter, Sohn, die beste Schwester oder der beste Bruder, Freund oder Freundin sein. Und gleichzeitig sollten wir uns selbst wie verrückt lieben, damit wir bloß ganz sicher durchs Leben gehen und uns keiner anmerkt, dass wir jetzt gerade überhaupt nicht wissen wohin mit uns, Kleinigkeiten uns zum ausrasten bringen und zwei Tage Urlaub die Augen nur kurzfristig zum Leuchten bringen.

Was uns nicht umbringt….

Es gibt sie, die Tage und Wochen, die man am liebsten aus dem Kalender streichen möchte. Aber sie gehören zum Leben dazu und sind genau das, was uns am Ende zu dem macht, was wir sind. Im besten Fall stärkere Persönlichkeiten, bessere Problemlöser, erfahrenere Individuen.

Vielleicht sollten wir manchmal nur versuchen alles zur Seite zu legen und die Dinge so sein zu lassen wie sie sind. Schließlich sind wir nicht allein auf der Welt und manches regelt sich schon – Restrisiko und Verluste inbegriffen. Und wer sonst versucht immer ein guter und fairer Mensch zu sein, darf immerhin ab und an mal darauf hoffen, dass all die Karma-Punkte eingelöst werden, oder?

Mein persönliches Stressmanagement hat diese Woche grandios versagt. Deshalb ein großes „Dankeschön“ an alle, die dazu beigetragen haben, dass ich schon jetzt riesige Lust auf nächste Woche habe. Und auf die Geschichten, die wir uns in zehn Jahren erzählen können. Ihr seid die Besten.

 

This weeks credits got to: den Mann an meiner Seite, YogaEasy für … alles! und an alle meine Leser, die in dieser Woche das nicht ganz marginale Erfolgserlebnis geliefert haben. Danke!

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