Unverträglichkeiten und unsere Beziehung zum Essen

Letzte Woche ging ein ganzer Schwung Artikel zum Thema Lebensmittelunverträglichkeiten durchs Netz die „Zeit Online“ hat innerhalb von 24 Stunden sogar zwei Artikel auf Facebook publiziert. Einen zur Glutenunverträglichkeit und einen zu boomenden Lebensmittelunverträglichkeiten im Allgemeinen.   Natürlich nicht ohne unter den Posts eine entsprechende Empörungswelle aus allen Lagern hervorzurufen. Die einen, die bestimmte Lebensmittel nicht vertragen und sich empören, dass das nicht ernst genommen wird. Die anderen, die das alles für Hokuspokus und Aberglauben halten. Mit Überschriften aus der Boulevardpresse ruft man eben solche Reaktionen hervor. Wer die Artikel aber gelesen hat und ein bisschen klar im Kopf ist, kann den Autoren eigentlich nur zustimmen und sogar was aus den Artikeln lernen.

Getreide ist und bleibt ungesund.

Denn was die eigentliche Feststellung von J.v.G. ist, stimmt absolut. Es ist schwierig eine Glutenunverträglichkeit und auch eine Zöliakie zweifelsfrei zu diagnostizieren, was für viele zu einem unnötigen Verzicht führt, der oft als Einschränkung der Lebensqualität empfunden wird. Was mir persönlich bei dem Thema noch nicht über den Weg gelaufen ist, ist die Möglichkeit des Gentests. Dass das möglich ist, ist wichtig zu wissen, wenn die Frage nach Glutenintoleranz im Raum steht, denn das macht die unzuverlässige Darmbiopsie, bei der der Darm wissentlich beschädigt wird,  überflüssig. Wer auf medizinische Diagnose wert legt: bitteschön.

ungesunde ernährungWas bleibt – auch ohne Gentest und Unverträglichkeit – ist die Tatsache, dass Getreide in viel zu großen Mengen konsumiert und dadurch zum Gift wird. Wer morgens Müsli, mittags Nudeln und abends Pizza isst, fordert seinen Verdauungstrakt und sein Immunsystem heraus und muss damit rechnen, irgendwann die Quittung dafür zu bekommen. Getreide mag Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein, es ist aber allein keine ausgewogene Ernährung. Und die zahlreichen Anti-Nährstoffe im Getreide (Lectin, Phytinsäure, ATI, etc.…) tragen dazu bei, dass es eben nicht nur gesund ist. Von den Veränderungen und Auswirkungen, die die neuen Züchtungen hervorrufen, mal ganz zu schweigen. Denn auch hier werden die Konsequenzen erst im „großen Feldtest“ sichtbar.

Wir haben den Instinkt für gutes Essen verloren.

Was die Diskussion um pro oder contra, Glauben und Wissen, Tun und Lassen aber auf jeden Fall durchblicken lässt, ist die Tatsache, dass wir als Gesellschaft unseren Instinkt für eine individuelle und natürliche Ernährung vollkommen verloren haben. Wir gucken Spitzenköchen zu wie sie Bailikumschaum auf hochkant gebratenem Lachs kredenzen und ziehen uns dabei ’ne Fertigpizza rein. Da streiten sich Leute, ob es jetzt sinnvoll ist 3 EUR für 250g glutenfreies Brot auszugeben, oder ob die laktosefreie Milch wirklich bei 20% der Haushalte im Kühlschrank stehen muss. Das alles ist vollkommen gaga – um es mal vorsichtig auszudrücken – denn beides sind hoch-verarbeitete Lebensmittel, die mit Gesundheit und gesunder Ernährung nichts zu tun haben. Da wird unreflektiert zu „frei von“ Fertigprodukten gegriffen, in dem Glauben, dass dieses Industrieprodukt besser ist, als das andere. Dabei hat das mit Lebensmitteln sowieso nichts zu tun.

gesunde_ernährung_gemüseDa lassen sich Menschen in der individuellen Ernährungsentscheidung offenbar vom letzten Tweet von Lady Gaga oder Posh Spice leiten. (Wer an diesen Menschen sein Leben ausrichtet, dem ist eigentlich sowieso nicht zu helfen.) Gesund essen heißt nicht glutenfreies Brot essen. Das ist eben genau nicht die Alternative!

Ernährung ist sehr individuell.

Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch verträgt oder verträgt unterschiedliche Sachen nicht. Das muss jeder für sich selbst festlegen und rausfinden. Auf sich und seinen Körper hören, beobachten, analysieren. Sich mit seinem Essen beschäftigen. Zeit investieren in dieses wichtige Thema.Und da hapert‘s dann doch oft, weil das in unserem Alltag eben keinen Platz mehr hat oder haben soll. Weil Kochen nur noch „mit Freunden“ praktiziert wird und keine Selbstverständlichkeit zur Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen mehr ist. Dabei ist eine möglichst natürliche Ernährung aus unverarbeiteten Lebensmitteln die einzige Alternative.

Und Kochen hilft.

Wirklich. Es hilft gesund zu werden und zu bleiben – physisch und psychisch. Der Kopf kann abschalten während man Gemüse klein schnippelt und Fleisch oder von mir aus auch Seitan anbrät. Es erdet, es entschleunigt und es ist einfach verdammt wichtig. Punkt.

Und jetzt ran an die Töpfe. Es ist das beste, was du mit deinem Feierabend machen kannst.

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