(M)ein Leben ohne Brot – Teil 1

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Als ich mich im Frühjahr diesen Jahres dazu entschloss auf die letzten getreidebasierten Kohlehydrate in meiner Ernährung zu verzichten, wusste ich noch nicht was mir bevor stand. Ich ging nicht davon aus, dass die zwei Scheiben Brot am Morgen den Kohl oder besser gesagt das Weib wirklich noch fett machen. Nachdem Pizza, Pasta und Co. in den vorangegangenen Monaten vom Speiseplan gestrichen wurden, löste die Entscheidung am heimischen Esstisch nicht gerade großes Jubelgeschrei aus. Aber mein Entschluss stand fest: ich wollte es auf jeden Fall versuchen und sehen was passiert.

Ich hatte keine Ahnung welche Auswirkungen Getreide auf meine Gesundheit hat.

Eine Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens konnte ich ziemlich schnell feststellen. Ich war morgens fit und auch nicht so schnell wieder hungrig. Statt Brot oder Müsli gab es ab sofort richtiges Essen: gedünstetes Gemüse mit Ei oder Reste vom Vorabend. Hauptsache Gemüse. Was abends schmeckt, schmeckt auch morgens. Die Japaner essen Suppe, in Afrika gibt’s Hühnchen und Reis. Nirgends auf der Welt gibt’s Zuckerbomben zum Frühstück – nur da, wo Diabetes zur Volkskrankheit wird: der sogenannten zivilisierten Welt.

Nach einem Monat merkte ich, dass ich mich veränderte.
Und zwar grundlegend.

Mein Kopf wurde klarer, meine zum Teil heftigen Stimmungsschwankungen ließen nach, mein Dauerschnupfen hörte auf und einige kleine Hautausschläge gehen zurück. Was ist hier los?
Ich begann zu recherchieren und stieß auf jede Menge Forschungsergebnisse und Sachbücher. Von Dr. William Davis und seiner „Weizenwampe“ ging es zurück bis zu Dr. Wolfgang Lutz und seinem bereits 1957 erschienenen Buch „Leben ohne Brot“. Ich las alles, was ich zum Thema Weizenunverträglichkeit, Zöliakie, Leben ohne Getreide und alternativer bzw. gesunder Ernährung in die Hände und auf den Bildschirm bekommen konnte.

Nach den ersten Sonnenstrahlen des Sommers stellte ich fest, dass ich das erste Mal seit Jahren wieder ein wenig braun wurde. Einfach so. Eigentlich kannte ich über Jahre nur noch angebrannt-rot und leichen-blass. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich meine Körper schon so gut erholt, dass er essentielle Nährstoffe, die zur Versorgung der Haut notwendig sind, schon wieder ganz gut aufnehmen konnte. Meine Haut war plötzlich wieder in der Lage, sich der Sonneneinstrahlung anzupassen und sich mit Pigmentierung selbst zu schützen. Ein Sommer (fast) ohne Sonnenbrand!

Nach drei Monaten lernte ich fliegen.

Neben dem Verschwinden zahlreicher Hautprobleme, war es aber vor allem mein Kopf, der mich bei der Stange hielt. Er funktionierte so gut  wie nie zuvor! Ich kann mich und meine Umwelt klar wahrnehmen und habe das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, dass ich ein Teil meiner Umwelt bin und zu den Menschen um mich im Verhältnis stehe. Das, was ich vorher erlebte, wird als „brain fog“ bezeichnet und ist als Phänomen für Außenstehende im Grunde nicht zu beschreiben. Ich vermute auch, dass es sich bei allen Betroffenen irgendwie anders anfühlt. Für Außenstehende und Angehörige sieht das manchmal aus wie „irrationale Reaktionen“, dauernde unterschwellige Aggressivität oder „mutwillige Bosheit“. Aber mal ehrlich: wer ist denn „mutwillig boshaft“ seinen Liebsten gegenüber? Ich habe mich oft missverstanden gefühlt und konnte mich auch nicht wirklich vermitteln. Es wurde von Jahr zu Jahr schlimmer. Wer mich nicht kannte und mich an einem falschen Tag antraf, empfand mich schon mal als garstig. Wenn ich meine Tage hatte, war mein Kopf noch nicht mal für mich selbst zu ertragen. Dazu kamen Krämpfe und Schmerzen. Und nun war alles wie weggeblasen. Ich hätte wochenlang ausflippen können vor Freude über mein neues Leben. Wahnsinn!

Nach sechs Monaten der vorsichtige Versuch es neu zu probieren.

Ich habe mir natürlich die Frage gestellt, ob das gesund sein kann, so ein Leben ohne Brot. Gesundes Vollkorn steht schließlich auf jedem Ernährungsplan. Also suchte ich eine Ernährungsberaterin auf. Sie befand, dass das kein Leben sei (sie hat ja keine Ahnung) und fand, dass ich langsam versuchen sollte 3 EL Haferflocken in meinen morgendlichen Joghurt mit Obst zu geben. Nach drei Tagen brach ich das Experiment mit schmerzverzerrtem Gesicht ab. Blähungen und Bauchschmerzen, Durchfall und Krämpfe bestimmten den Tag und erst hier wurde mir bewusst, dass das eigentlich zu „Getreidezeiten“ immer so war. Es war so normal geworden, dass ich es nicht mehr gemerkt habe. Hätte mich jemand gefragt, ob ich Verdauungsprobleme habe, ich hätte es verneint. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Von anderen, die Zöliakie als Krankheit sicher nicht in Betracht ziehen weiß ich allerdings, dass das eine ganz normale körperliche Reaktion ist, wenn Getreide einmal gestrichen wurde.

Sieben Monate und für mich gibt’s kein Zurück

Manche Menschen halten mich für verrückt und das ein oder andere Mal muss ich auch unhöflich sein und angebotenes Abweisen. Ich begründe es dann mit einer Allergie. Wer mich kennt, weiß es, bietet mir dann manchmal trotzdem Brot an und wird sich dann meist erst bewusst wie selbstverständlich dieses nicht ganz einwandfreie Produkt doch geworden ist. Die Verlockung ist immer noch groß, wenn mir ein Brotkorb vor der Nase steht, aber ich kenne die Konsequenzen und lasse die Finger davon. Es macht mich krank, das ist es mir nicht wert.

Getreide ist KEIN Grundnahrungsmittel

Mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass Getreide nicht auf den täglichen Speiseplan gehört. Bei niemandem. Wen der Hintergrund interessiert, der wird bei Felix und Constantin fündig. Gut erklärt und wissenschaftlich fundiert. Wer noch mehr wissen will, dem darf ich auch die nachfolgenden Bücher ans Herz legen.

 

In den nächsten Tagen folgt dann Teil 2 mit ein paar Hinweisen zu gesunder Ernährung und die oft schwierige Phase der Entwöhnung von Getreide und Zucker.

 

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