(M)ein Leben ohne Brot – Teil 2

Wenn ich berichte, dass ich seit mehr als einem halben Jahr getreidefrei lebe, stellen mir die Menschen mit schöner Regelmäßigkeit zwei Fragen:

  1. Warum?
  2. „Was isst du stattdessen?“ oder synonym „Was frühstückst du?“

Die erste Frage habe ich versucht letzte Woche hier zu beantworten. Weil es mir besser damit geht.

Die zweite Frage  irritiert mich immer wieder und zeichnet für mich auch ein Bild unserer Ernährungskultur, das mich immer wieder erstaunt.

Ich habe Getreide nie als so unverzichtbar wahrgenommen.

Genau das tun aber viele Menschen. Der Tag beginnt mit Müsli oder Toast, geht weiter mit `ner Butterstulle und endet mit Spaghetti Miracoli oder Pizza. Wir haben Getreide im letzten Jahrhundert zu einer derart wichtigen Zutat in unseren Speiseplan gemacht, wie keine Generation vor uns.

Nachkriegsdeutschland bzw. Nachkriegseuropa musste billig ernährt werden, die Lebensmittel mussten eine gewisse Haltbarkeit aufweisen und ständig verfügbar sein. Getreide hat den Babyboom ermöglicht und bietet bis heute die Grundlage billiger Massenernährung. Hier ein Brötchen, da `ne Scheibe Brot. Der Begriff „Nudelkoma“ muss kaum jemandem erklärt werden – jeder weiß, wie er seinen Körper mit Unmengen leerer Kohlenhydrate schachmatt setzen kann. Nur wenigen ist es bewusst. Und nur sehr wenige stellen das in Frage.

Zurück zu meiner zweiten Frage. Und hier die einfach Antwort: Es gibt unendlich viele Lebensmittel neben Getreide. Und ich meine Lebensmittel. Keine Fertiggerichte, keine Instantirgendwas.

Die Grundlage meiner Ernährung bildet sicherlich Gemüse, gefolgt von Obst und Milchprodukten, Eiern, Samen und Nüssen, Fleisch und Fisch. Daraus lassen sich abertausende von schmackhaften Gerichten zubereiten. Von schnellen und bequemen Gemüsepfannen  bis zu aufwendigeren und langwierigeren Braten- und Schmorgerichten. Saaten, Nüsse und Pseudogetreide -wie Quinoa, Amaranth oder Buchweizen-  ergänzen hervorragend die morgendliche Obstschale mit Naturjoghurt.

Das Problem, mit dem sich die meisten Menschen konfrontiert sehen, ist das Desinteresse an den Dingen, die den eigenen Motor am Laufen halten. Es ist immer eine Frage der Prioritäten. Und der Motivation.

Will ich gesund sein, werden oder bleiben?

Dann sind mir die fünf Handgriffe am Morgen nicht zu viel. Allein die Vorbereitung des Frühstücks dauert bei uns eine halbe Stunde. Anschließend frühstücken wir eine halbe Stunde und räumen hinterher auch noch auf. Es ist uns wichtig morgens zusammen in Ruhe in den Tag zu starten. Natürlich geht das auch schneller, aber warum sollten wir? Der Rest des Tages muss schnell genug gehen. Essen hält uns am Leben, es ist also wichtig genug um einen zentralen Punkt in unserem Tagesablauf einzunehmen und nicht nebenher erledigt zu werden.

So, genug belehrt. Ihr wisst nun immer noch nicht, was ich esse. Also hier mein typisches Frühstück. Das ist sicher nicht eins zu eins auf jeden übertragbar, sondern soll lediglich eine Inspiration sein.  Nicht jeder mag oder verträgt alles. Nicht jeder macht so viel Sport und braucht damit so viel. Am besten findest du es für dich allein raus was passt und was passend gemacht werden muss.

Hier also mein aktuelles komplettes saisonales Frühstück.

Müslifreies Müsli  mit Obst (Vorbereitungszeit: 5 min)

  • 150-200g Obst (z.B. 1 Apfel oder eine Banane oder jeweils die Hälfte, gern auch Beeren)1 EL Amaranth (geht auch gepufft)
  • 1 EL Quinoa
  • 2 EL Nüsse
  • 1 Becher Naturjoghurt
  • ggf. 1 TL Honig (versuch‘s ruhig ohne!)

Obst waschen und kleinschneiden, in eine Dessertschüssel o.ä. geben. Mit einem Becher (150g) Naturjoghurt übergießen und Nüsse und Pseudogetreide hinzugeben.

Übrigens: Augen auf beim Joghurtkauf! Es gibt nur noch sehr wenige echte Naturjoghurts. Der Zusatz „mild“ deutet auf die Herstellung aus bzw. unter Verwendung von Milchpulver hin. Zu erkennen ist dies am Eiweißgehalt. Richtiger Joghurt hat 2-3g mehr Eiweiß auf 100g. Wegen des hohen Zuckergehalts und aus zahlriechen anderen Gründen sollten Fruchtjoghurts bekanntlich eh nicht im Einkaufswagen landen.

Gedünstetes Gemüse mit Ei oder Omelett mit Gemüse (Vor- und Zubereitungszeit: ca. 10min.)

  •  1EL Butter (Kerrygold, weil von grasgefütterten Kühen)
  • 1 Stück Ingwer
  • 1 Karotte
  • ½ oder ¼ Kohlrabi
  • 4 Champignons
  • 1 Tomate
  • 2 Eier
  • 1 Schluck Milch
  • Schnittlauch

Ingwer schälen und in kleine Stücke hacken. Karotte waschen und in Scheiben schneiden. Kohlrabi schälen und in kleine Stücke schneiden. Butter in einer Pfanne oder Kasserolle schmelzen und Ingwerstücke hinzugeben.  Karotten und Kohlrabi hinzugeben und auf mittlerer Hitze dünsten. Champignons in Scheiben schneiden und dazu geben. Tomate ebenfalls klein schneiden und dazu geben. Die Eier in einer Tasse aufschlagen und mit einem Schluck Milch verrühren. Wenn der Kohlrabi gar ist das Ei dazu geben und stocken lassen. Schnittlauch mit einer Schere drüber schnipseln.

Ich verzichte komplett auf Salz und Pfeffer, aber das ist Geschmackssache. Mir wäre das zum Frühstück zu viel. Wer zu Beginn etwas Schinken dazu geben mag, bekommt neben dem Ingwer auch etwas Salz dazu.

Grundsätzlich kann man eigentlich alles an Gemüse unter Ei verpacken. Im Juni den Spargel, im Oktober Spitzkohl und im Januar die Sellerieknolle. Das Frühstück liefert hervorragend Energie für den Vormittag ohne dich nach 2 Stunden in das erste Vormittagsloch zu stürzen.

Dazu gibt’s natürlich das erste Glas Wasser und einen schönen Kaffee.

Wer noch mehr Anregungen zum Leben ohne Brot braucht, dem sei Felix‘ kleine Frühstücksfibel empfohlen:

Und bei euch so?

3 Comments to “(M)ein Leben ohne Brot – Teil 2”
  • Silvia
    11. August 2015 - Antworten

    Vielen Dank für deine Informationen bezüglich „Deines Lebens ohne Brot“!
    Dieses Buch von Lutz war das Erste, das bei mir einen Schalter umlegte und mich fortan alles ausschließen ließ, was getreidehaltig ist.
    Hätte ich die Überschrift nicht so wörtlich genommen, wäre das Buch viel früher bei mir gelandet. Aber es ist ja nie zu spät – etwas Neues im Sinne einer besseren Gesundheit zu probieren.

  • Frederic Heuer
    11. Juni 2016 - Antworten

    Hi,
    mich würde interessieren, wie du zu Milchprodukten, speziell zum Naturjoghurt stehst. Milch an sich soll ja nicht so gut sein.

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