Nahrungsergänzungsmittel – ja oder nein?

Tabletten und Einhundert Euroschein

Als ich vor drei Jahren begann mich mit dem Thema Ernährung zu befassen, war ich der festen Überzeugung, dass Nahrungsergänzungsmittel so eine Art Teufelszeug sind. Kein Mensch braucht die bei einer ausgewogenen und gesunden Ernährung. Das ist das, was man auch in zahlreichen Medienbeiträgen immer wieder hört und liest. Meist von Ärzten, die sind schließlich kompetent, wenn es um die Frage der menschlichen Physis geht. Leider haben viele Ärzte – und das sagen die ehrlichen von ihnen selbst – kaum Kompetenz, wenn es um das Thema Ernährung geht. Ich frage mich also wie sie entscheiden können, ob Nahrungsergänzungsmittel nötig sind oder nicht?

Nun will ich nicht behaupten, dass ich kompetent bin das im Einzelfall zu entscheiden. Weit weg davon. Ich habe aber auf meiner nun fast 3-jährigen Reise durch die Ernährungsliteratur dieser Welt gelernt, dass Nahrungsergänzungen ein probates Mittel zur Behandlung einiger Erkrankungen und Zipperlein sind. Nur wenige Menschen schaffen diese „ausgewogene und gesunde“ Ernährung, die immer wieder angemahnt wird. Das bestätigt auch die in dieser Woche erschienene Studie der DKV zur Gesundheit der Deutschen. Es schaffen auch nur wenige, die Paleo über das Rührei zum Frühstück hinaus verstehen. Andere sind – aufgrund unterschiedlichster Ursachen – bereits an irgendwas erkrankt und brauchen Hilfe. Hilfe, die bei den Ursachen anfängt und nicht bei den Symptomen.

Was spricht gegen Nahrungsergänzung?

Ein gesunder Mensch, der sich ausgewogen ernährt, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel. Keine synthetischen und auch keine natürlichen zusätzlichen Vitamine und gleich gar keine Spurenelemente. Unsere Ernährung kann uns diese Stoffe alle bieten. Vorausgesetzt sie besteht zu mindestens 70% aus Gemüse in allen Formen und Farben, Sprossen, Nüssen und guten Fetten. Mindestens 70% deshalb, weil ich glaube, dass es eher mehr sein sollte. Getreide und Milch hat in unserer täglichen Ernährung nichts zu suchen. Die restlichen 30% sind der Fisch und das Fleisch in der Suppe. Das alles muss mindestens biologisch hergestellt, besser noch in Demeter-Qualität sein. Ist es das nicht, reicht die Nährstoffdichte für unser Leben nicht aus. Wer es schafft entweder selbst anzubauen oder sich Demeter leisten kann und will, aktives Stressmanagement betreibt und großen Wert auf Regeneration und Pausen legt, der braucht keine Nahrungsergänzungsmittel.

Wenn ich mich in meinem Leben so umsehe, gibt es diesen Menschen allerdings kaum. Kein Zweifel – viele bemühen sich so gut wie möglich zu essen und das Thema Stress im Auge zu haben, aber die meisten schaffen das nicht und haben irgendetwas. Die allermeisten vor allem zu viel Stress. Das Leben, für das wir gemacht sind – essen, schlafen, arbeiten – davon sind wir weit entfernt. Manchmal kommt mir unser heutiger Lebensstil ziemlich absurd vor. Kennst du das? Wenn man uns so anschaut und man denkt: Freaks! Was soll der Quatsch? Das ist nicht das Lebewesen Mensch, das es sein sollte!

Was spricht für Nahrungsergänzungsmittel?

Zurück zum Thema: Chronischer Stress hat beispielsweise Auswirkungen auf unseren Körper, die wir heute aus (schul-)medizinscher Sicht noch gar nicht (oder nicht mehr?) richtig überblicken. Hat dein Arzt dich schon mal gefragt, was das Thema Stress bei dir macht? Meine Ärztin nicht, und das, obwohl selbst in der Schulmedizin bekannt ist, dass Stress einer der Hauptfaktoren bei Neurodermitis ist. (Wer hier schon länger liest weiß, dass ich seit etwas mehr als drei Jahren damit zu tun habe.) Stress und dessen Behandlung kommt im Leistungskatalog der Krankenkassen nur in Präventionskursen und vielleicht noch in der Rehabilitation von Burn-Out Patienten vor. Ärzte sprechen es nicht an. Sie bekommen wohl kein Geld dafür dir zu sagen, dass du kürzer treten musst.

Stress macht unseren Darm kaputt und es schadet unserer Psyche. Dahinter stecken jede Menge bio-chemischer Prozesse in unserem Körper, bei denen das, was wir in unseren Körper reintun, eine entscheidende Rolle spielt. All diese Prozesse sind auf Mikro- und Makronährstoffe aus unserer Nahrung angewiesen, damit sie funktionieren können. Bekommt unser Körper diese nicht, funktionieren einzelne Prozesse nicht mehr oder geraten hier und da in Schieflage. Bei Stress verbrauchen wir mehr Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren etc., die unseren Körper am Laufen halten. Dagegen kann eigentlich kaum jemand an essen. Hinzu kommt, dass viele von denen, die Dauerstress ausgesetzt sind, auch gar nicht mehr alles vertragen. Daher der Trend zu Unverträglichkeiten. Stress schlägt uns auf den Darm. (Manche kennen den Durchfall, wenn es zu schnell geht und zu viel wird.) Welche Erkenntnis folgt also daraus: Ja, Stress reduzieren hilft. Und ja: Nahrungsergänzung ist für viele in unserer modernen Gesellschaft ein unausweichliches Mittel um den Körper am Laufen zu halten. Das kann man gut finden oder nicht. Ich persönlich halte es nicht für den richtigen Weg, aber ich weiß auch, dass Menschen aus ihrem Hamsterrad sehr oft nicht raus wollen. Eine natürliche Lebensweise mit etwas Stress und viel Erholung ist für die meisten schlicht nicht drin.

Ärzte, die sich mit der Behandlung von Körperchaos am Ursprung beschäftigen, arbeiten übrigens zu einem großen Teil mit Nahrungsergänzungstherapien. Die orthomolekulare Medizin tut dies – nicht ohne Erfolg. Mitochondrien-Spezialisten ebenfalls. Ärzte und darunter auch Psychologen, die sich fragen warum der Mensch in erster Linie erkrankt, setzen Nahrungsergänzungsmittel zu therapeutischen Zwecken ein. Es gibt eine ganze lange Liste von Erkrankungen, die man mit Nahrungsergänzungsmitteln positiv beeinflussen kann. Es ist in meinen Augen ein probateres Mittel als viele Pharmazeutika, die stattdessen genutzt werden.

Fazit

Wer die Säulen der Gesundheit – Ernährung, Bewegung, Regeneration – sein Leben lang gut im Griff hat, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel. Für alle anderen, die früher oder später in ihrem Leben an modernen Zivilisationskrankheiten erkranken, können Nahrungsergänzungsmittel eine sinnvolle und natürlichere Therapie darstellen.

Nichtsdestotrotz sollte sich jeder, der sich einer solchen Therapie unterzieht, mit den Konsequenzen für sich und seine Gesundheit im Klaren sein: Gesundheit beginnt beim Lebensstil. Insofern sind Nahrungsergänzungsmittel ein zeitweiliges Instrument, das einem die Gelegenheit gibt, die wesentlichen Faktoren der gesunden Lebensführung für sich zu überdenken und Veränderungen einzuleiten.

Literaturempfehlungen

Julia Ross, Was die Seele essen will: Die Mood Cure

Dr. Bodo Kuklinski, Mitochondrientherapie – die Alternative: Schulmedizin? – Heilung ausgeschlossen!

Rüdiger Schmitt-Homm und Simone Homm, Handbuch Anti-Aging und Prävention: Die wichtigsten Forschungsergebnisse Die sinnvollsten Gesundheitsstrategien, Die wirksamsten Praxistipps

Lars Johannsson, Die Eiweißrevolution! MAP – Master Amino Acid Pattern: Die Entdeckung des Menschlichen Aminosaurenmusters und seine Bedeutung für die Proteinernährung

James L. Wilson, Grundlos erschöpft?: Nebennieren-Insuffizienz – das Stress-Syndrom des 21. Jahrhunderts

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Bildquelle: © Gina Sanders – Fotolia.com

4 Comments to “Nahrungsergänzungsmittel – ja oder nein?”
  • Janis
    6. Februar 2015 - Antworten

    Ich persönlich bin jemand der viele Nahrungsergänzungsmittel schluckt. Das aber mit vollem Bewusstsein und sehr gezielt und dann auch in seiner reinsten Form. Es ist kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Trotzdem nehme ich Nahrungsergänzungsmittel, um die letzten Prozent meiner Leistungsfähigkeit herauszukitzeln.

    Leider sind meisten Nahrungsergänzungsmittel aber bestenfalls für die Mülltonne geeignet und viele sogar in zu hohen Dosen sehr schädlich und benötigen eine genauere Betrachtung und eine Beobachtung über das Blutbild.

    Man kann damit seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit verbessern, aber wenn man sich nicht auskennt sollte man lieber die Finger davon lassen, weil es genau so gut nach hinten losgehen kann. Und dann meist noch mehr Schaden anrichtet, als es helfen kann.

    • nadja

      nadja
      11. Februar 2015 - Antworten

      Hallo Janis,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich stimme da ganz mit dir überein.
      Liebe Grüße,
      Nadja

  • Ela
    18. Juni 2015 - Antworten

    Danke für den tollen Artikel.

    Gibt es hochwertige bioverfügbare Vitamine / VKomplexe etc. die Du empfehlen kannst ?

    Danke
    Ela

    • nadja

      nadja
      23. Juni 2015 - Antworten

      Hallo Ela, das kommt ganz darauf an, was du suchst. Ich bin momentan sehr glücklich mit Pure Encapsulations, aber ich weiß aus dem näheren Umfeld, dass da ganz, ganz tolle Sachen in der Entwicklung sind. Bleib mal hier dran, die sind ab August am Markt und haben höchste Qualitätsansprüche: http://novel-nutriology.de/ Schreib mir sonst gern, wenn du was bestimmtes suchst. LG Nadja

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