Paleo für Anfänger: die häufigsten Fragen

Bei Paleo dreht sich alles um die gesunde Ernährung und immer mehr Menschen, für die das omnivore Ernährungsmodell Sinn ergibt, versuchen sich darin ab sofort gesünder zu leben und auf einiges zu verzichten, was bisher zum Alltag gehörte. Dabei treten klassische Anfänger-Fehler auf, die mir in den einschlägigen Foren und Gruppen immer wieder begegnen.

  1. Mir ist schwindlig, schlecht und ich fühle mich kraftlos.

Dieses Phänomen trifft vor allem Anfänger, die von heute auf morgen auf sämtliche Kohlenhydrate verzichten wollen. Wer sich bisher stark getreidelastig und zuckerhaltig ernährt hat, dem wird es in den ersten Tagen nach der Umstellung ziemlich mies gehen. Dagegen hilft eigentlich nur Kohlenhydrate in anderer Form zu sich zu nehmen. Es kann kaum das Ziel sein sämtliche Kohlenhydrate von heute auf morgen zu verbannen. Vielmehr ist eine deutliche Reduktion schon allein durch den Verzicht auf Getreide gegeben. Hier bietet sich stärkehaltiges Gemüse (Karotten, Süßkartoffeln, Kürbis etc.) an, aber auch Obst kann für Anfänger eine sinnvolle Energiequelle sein. So enthält ein Brötchen (200g) zum Beispiel 100g Kohlenhydrate. Ein Apfel (200g) aber nur etwa 23g.  Du müsstest also 5 große Äpfel essen um allein das Frühstücksbrötchen drin zu haben. Das sollte kaum machbar sein ohne pappensatt zu sein. Manche Paleo-Blogger und kommerzielle Anbieter von 30-Tage-Challenges empfehlen Obst aufgrund des Fruktosegehalts zu minimieren oder gar ganz zu meiden. Aber mal ehrlich: Man muss schon ganz schön viel Obst essen um eine getreidehaltige Ernährung „reinzuholen“ und das ist kaum zu schaffen. Es hilft also, sich vor allem in der Anfangsphase mit Obst und Gemüse vollzustopfen und hier nicht so sehr auf den Kohlenhydratgehalt zu achten, denn Obst und Gemüse sind schon deutlich weniger Kohlenhydrathaltig als das was du u.U. bisher gegessen hast. Das kannst du später noch weiter reduzieren, wenn dein Körper sich an die neuen vollwertigen Lebensmittel gewöhnt hat.

  1. Ich kann echt kein Fleisch mehr sehen.

Solche Aussagen schocken mich am meisten. Der Sinn von Paleo oder Low-Carb-Ernährungskonzepten ist nicht, sich ab sofort mit Fleisch oder gar Bacon (Hallo Schweinerei!) zu mästen. Zumal das, was wir heute in Supermärkten an Fleisch erhalten, nicht gerade von empfehlenswerter Qualität ist. Fleisch sollte in deiner Ernährung maximal 1/3 ausmachen und dann auch noch in möglichst hoher Qualität. Wer sich das nicht leisten kann oder will, sollte besser darauf verzichten und den Fleischgenuss wieder auf den Sonntagsbraten beschränken.

Der Rest muss sich aus allen erdenklichen Gemüsesorten, Salaten und Wasser zusammensetzen. Viele Menschen haben es verlernt, welche Vielfalt uns der Gemüseanbau (nein, Gemüse ist kein Steinzeitprodukt) bietet. Man kennt keine Sorten, man traut sich nicht ran, man weiß nicht was man essen soll. Beschäftige dich damit, was es saisonal gibt und wie man es zubereiten kann. Ein großer Teller Salat macht zum Beispiel gerade im Sommer wirklich viel her, beschäftigt den Darm dank Ballaststoffen und liefert dir viele Nährstoffe. Wenn du außer dem Supermarkt vielleicht noch einen guten Gemüsehändler im Stadtteil hast oder einen Gemüsebauern im Nachbarort, dann nur los. Die meisten Händler und Bauern können dir auch Tipps geben, was du mit ihren Produkten machen kannst. Wie wäre es zum Beispiel mal mit Schmorgurken oder Spitzkohl?

Wer einen kleinen Garten hat, kann sich auch ruhig mal im Selbstanbau in einem kleinen Beet probieren. Gartenarbeit hat mehrere Vorteile: aktives Stressmanagement, Erdung, gutes und gesundes Essen (Verzicht auf Round-Up vorausgesetzt) und eine echt tolle Portion Stolz, wenn man den eigenen Bio-Fenchel erntet ist auch garantiert.

  1. Was esse ich unterwegs oder wenn nur ein Supermarkt in der Nähe ist?

Vorbereitung ist alles. Eine gedünstete Gemüsepfanne oder ein Salat schmeckt auch kalt und lässt sich in gut verschließbaren Glasbehältern wunderbar mitnehmen. Wer das mal verpennt – und das passiert jedem einmal – der kauft sich im nächsten Supermarkt eine Banane, einen Apfel und eine Möhre oder vielleicht noch ein Stück Bio-Forelle, Nüsse oder ähnliches. Verträglichkeit vorausgesetzt. Danach ist man satt bis zum Abend. Und das nächste Mal denkst du einfach dran, dass der Tag auch außer Haus stattfindet.

Es macht auch gar nichts mal einen Tag von morgens bis abends zu fasten. Wer schon länger dabei ist, kennst das permanente Hungergefühl oder die berühmte „Unterzuckerung“ sowieso nicht und bekommt das locker hin – ausreichend trinken sollte allerdings nie vergessen werden.

  1. Milchprodukte ja oder nein?

Primal (mit Milchprodukten) oder Paleo(ohne)? Bin ich keine gute Paleoista nur weil ich ab und an ein Stück (Ziegen-)Käse esse oder auf die Vollfettmilch im Kaffee nicht verzichten mag? Natürlich nicht! Bei den meisten gehe ich mal davon aus, dass wir hier nicht über einen Liter Milch am Tag reden.

Milchprodukte sind eine ganz individuelle Sache. Der eine verträgt es, der andere nicht. Hinweise auf eine Unverträglichkeit sind zum Beispiel Hormonungleichgewichte, Akne bzw. regelmäßige Pickel (hier kann auch Stress/Histamin das Problem sein), Verdauungsbeschwerden (dünner Stuhl, aber auch Verstopfungen). Wer diese Probleme hat, sollte ruhig mal versuchen 30 Tage ohne das weiße Nass auszukommen. Es zeigt sich recht schnell, ob es dir gut tut oder nicht.

Wer auf Milchprodukte nicht verzichten kann oder will, sollte auf jeden Fall mindestens zu Bio-Produkten greifen und die Vollfettvariante wählen. Für Rohmilch gibt es in Deutschland leider keinen richtigen Markt, wer aber einen Bauern kennt, der selbige von Weiderindern anbietet, kann ruhig mal zuschlagen. Ich selber versuche Milchprodukte zu minimieren, aber den einen Cappuccino pro Woche oder das Stück Käse ab und an möchte ich mir auch nicht nehmen lassen. Schließlich leben wir in einer Welt in der die Supermarktregale von MiPros, wie sie die Insider nennen, nur so überquellen. Wer mit Kuhmilch Probleme hat, kann übrigens auch auf Ziegenkäse und –joghurt ausweichen. Lies aber besser das Etikett, nicht alles ist aus 100% Ziegenmilch. Und verzichte besser auf Soja!!)

  1. Können meine Kinder auch Paleo essen oder kann ich umstellen, obwohl ich schwanger bin?

Ja selbstverständlich!! Wieso sollte eine Ernährungsform, die vorgibt gesund zu sein, nicht für Kinder oder ungeborene Kinder gesund sein? Frisches Gemüse, Obst, gutes Fleisch und guter Fisch (kein Pangasius!!), gute Öle (Oliven, Kokos) und Fette sind für uns als Spezies gut – egal wie alt. Je früher die kleinen damit anfangen, desto besser. Wenn dein Kind schon an Fast-Food und Zucker gewöhnt ist, wird es sicher schwieriger, aber seien wir ehrlich: der Mensch ist ein Herdentier und wir sind Vorbilder. Was wir Erwachsenen mit Freude vorleben, machen unsere Kinder gern mit. Nimm das Kind an die Hand, lass es teilhaben an der Essensauswahl und –zubereitung, sei ein verlässliches und gutes Vorbild. Konsequenz ist alles. Mehr darf ich als kinderlose nicht sagen, aber ich kenne viele Leute, bei denen das klappt 😉

Leave a reply