Sport, Unsicherheiten und das gefühlte Spotlight

Dieser Tage habe ich nebenstehende schöne Grafik auf der Facebook-Seite vom tensho gesehen und weil mir schon lange ein Artikel zum Thema „jetzt fang ich aber mal an mit dem Sport“ auf den Nägeln brennt, fackle ich das bei der Gelegenheit mal ab.

Das erste Mal ist immer schwierig – für alle!

Nach Jahren oder Jahrzehnten wieder mit dem Sport anzufangen ist ein hartes Ding. Ich habe mich selbst zwei Jahre und 8 Monate vertröstet, bis zum Schluss eine halbe Stunde Rasen mähen ein einziger Alptraum war. Mein Schweinehund hat mir immer erklärt, dass der Tag schon kommen wird, an dem ich wieder Lust habe. Dann fang ich einfach damit an und dann nehme ich auch ab und werde wieder sportlich und so. Klar, alles kein Problem. Zum Schluss muss man aber anfangen und da geht kein Weg dran vorbei.

Weil ich es ohne jemanden, der da ständig drauf achtet, nicht geschafft hätte, hab ich mich letztlich im nächsten Fitnessstudio angemeldet. Ich hätte nie gedacht, dass mir das mal passieren könnte, aber es war für mich ein Weg a) jemanden zu haben, der mir Commitment abverlangt und b) regelmäßig sportliche Leute zu sehen, die meinen Ehrgeiz anfachen. Hat auch geklappt. Heute muss ich keine Bienchen mehr im Muttiheft sammeln, ich geh auch so regelmäßig hin. Mal mehr und mal weniger motiviert, mal mehr und mal weniger erfolgreich.

Wir sind alle unsicher

Ich bekomme oft mit, wie es anderen Anfängern bei ihrem ersten Probetraining geht. Die meisten Menschen sind unsicher und fühlen sich unwohl zwischen all den selbstbewussten Muskeltypen, den dürren Ladies auf dem Laufband oder den sportlichen Rentnern, die ständig da rumhängen. Ich auch. Frauen flüstern den Trainerinnen dann mit gekräuselter Stirn zu, dass da in der Ecke ja nur Männer seien. Ich versuche das nicht persönlich zu nehmen. Unsicher bin ich aber auch, obwohl ich mittlerweile vergleichsweise fit bin und da mit stoisch ernstem Gesicht mein Programm abturne. Irgendwie sind wir doch alle immer unsicher. Wer was anderes behauptet, lügt.

Gerade in der Anfangsphase nervt es besonders, wenn man ständig aussieht wie eine sonnengereifte Tomate. Die anderen schütteln das alles aus dem Handgelenk und man selbst wirkt wie ein Bewegungslegastheniker. Ungelenk und witzig. Jedenfalls in dem eigenen Spotlight in dem man sich so sieht. Zum Glück sieht sich jeder darin, so dass wir alle total mit uns selber beschäftigt sind. Wer sich das bewusst macht, turnt übrigens viel lockerer übers Parkett. Nimm dich mal nicht so ernst!

Motivation suchen und finden

Der innere Vergleich mit den vermeintlich „tollen Typen“ hat aber auch sein Gutes. Ein kleines bisschen mentaler Wettkampf hat noch niemandem geschadet und hilft durchaus dabei zu bleiben. Wer sind die schon, die ungelenken Muskelpakete an der Hantelbank. Ich kann meinen Kopf auf meine Knie legen! (Naja, manchmal.)

Dieser Tage bin ich wieder mal Anfänger. Ich lerne Tatsache gerade die ersten Yoga-Stunden rumzukriegen. Es ist die Hölle auf Erden, wenn irgendein Krieger einem die Oberschenkel und die Schultern verbrennt, aber das wird vorbei gehen. Und dann, dann wird mir irgendwas anderes was ich nicht kann, wieder ein bisschen Demut beibringen. Und das ist auch gut so und ganz normal, denn wie singt es Heinz Rudolf Kunze so schön:

„Was das Leben betrifft, sind wir alle Amateure,
blutige Laien und Anfänger
doch du hast die Wahl der Qual,
wenn auch nur das eine Mal:
Draufgeher oder Draufgänger“

Und jetzt allen Mut zusammen nehmen und ab zum Sport! „Üben übt!“ wie zwei mir bekannte Freizeit-Philosophen immer so schön sagen. Stimmt!

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