(Un-)praktisch Getreidefrei

Die Weizenwampe von William Davis verkauft sich derzeit in den Buchhandlungen wie geschnitten Brot (haha!). Musste man vor einem halben Jahr noch bestellen, stehen jetzt in vielen Läden 5-6 Exemplare auf dem Präsentierteller. Immer mehr Menschen lernen, dass Getreide krank macht und dass es ungesund ist – für alle.

Verzicht auf Getreide ist schwierig, aber machbar

Immer mehr Menschen fragen sich auch, wie sie einen Verzicht im Alltag umsetzen können. Von den meisten wird es als Einschränkung empfunden und das ist es auch, wenn man sich unsere Gesellschaft und ihre Ernährungsgewohnheiten so ansieht. Es ist sehr schwierig das eigene Essverhalten so grundlegend umzustellen, dass ein so essentielles Produkt wie Getreide nicht mehr darin vorkommt. Die ersten Wochen sind ein Spießrutenlauf und man fühlt sich genötigt jedem mitzuteilen, dass man jetzt kein Getreide mehr isst und wie gut es einem jetzt geht.

Wenn man geschäftlich viel außer Haus essen muss, ist es besonders schwer. Du kannst dem Koch nicht in den Topf gucken und viele Soßen, Desserts etc. sind mit Getreide oder Getreideextrakt angedickt und „verfeinert“. Fisch ist paniert und selbst das Gemüse ist, wenn es aus der Tiefkühltruhe kommt, mit Mehl bestäubt, damit es beim Kühlprozess nicht zusammenklumpt.

Vor allem, wenn du durch den Verzicht feststellst, dass wirklich nervige Symptome verschwunden sind, wirst du besonders ärgerlich auf verstecktes Getreide und die altbekannten Kopf- oder Bauchschmerzen reagieren. Es braucht Zeit sich an die neue Situation zu gewöhnen, zu lernen was geht und was nicht. Wenn es bedeutet, dass du außer Haus nur noch Salat essen kannst, dann ist das so. Salat ist nicht das schlechteste.

Gutes Benehmen sollte man nie vergessen

Ich weiß, dass es schwierig ist im Restaurant das Richtige zu finden und dem Kellner deutlich zu machen, dass es einem persönlich wichtig ist, dass kein Getreide oder keine Milch, keine Nüsse oder keine Tomaten enthalten sind. Ich verweise dann schonmal auf eine Allergie um den Ernst deutlich zu machen. Aber das Gespräch hat am Tisch nichts zu suchen!

Vor allem, wenn man mit Geschäftspartnern unterwegs ist, ist es nicht förderlich, wenn man anfängt zickig zu werden. Aber auch im Freundeskreis ist Zurückhaltung oft nicht das Schlechteste. Es gibt immer die Möglichkeit der Situation Herr zu werden indem man auf dem Weg zum Hände waschen kurz ein oder zwei Worte mit dem Kellner wechselt und ihm die Situation klar macht. Eine bockige Diskussion und Kochanweisungen vor allen Anwesenden bringen niemanden weiter und es ist für alle Begleiter meist sehr unangenehm, weil die Diskussion vermittelt, dass die Küche ungenießbar ist und die Stimmung am Tisch in Windeseile einfriert. Ernährung ist immer sehr persönlich und individuell. Wer auf Getreide, Milchprodukte und andere Allergene verzichtet oder sogar verzichten muss, wird immer eine Einschränkung erleben. Aus dieser Einschränkung einen Film zu machen, ist aber nicht nötig – wir alle haben unsere Gründe und jeder isst irgendwas nicht. Bei Nachfragen reicht ein kurzes „Ich vertrage das nicht.“ und fertig.

Wenn du das Lokal wählen kannst, dann versuch’s doch mal im Sauvage in Berlin oder das JVA St. Pauli. Man munkelt das Lokal sei auch paleo-tauglich.

Ansonsten gilt: selber machen, selber machen, selber machen!

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