laub und nadelbäume essen
Warum man Laub- und Nadelbäume essen kann (und sollte)

Zu Ostern war ich an der Ostsee. Dort habe ich etwas ganz Neues kennengelernt. Schon in meinem Smoothie Artikel neulich habe ich mich darüber geärgert, dass manche Menschen glauben, wir könnten bestimmte Sachen nicht essen, nur weil uns das Wissen darüber fehlt. Manchmal sollte man deshalb ruhig den Kopf aufmachen für Neues und Unbekanntes. öfter mal was anderes

Als ich dann kurz darauf die Einladung einer Natur- und Landschaftsführerin in der Lübecker Bucht las, war klar, dass ich darüber gern mehr erfahren möchte. Also sofort angemeldet. Bei Iris Bein in der Nähe des schleswig-holsteinischen Scharbeutz gibt es Wildkräuterexpeditionen und Heilkräuterseminare. Für 6 Euro führte sie uns in der Gruppe fast 2 Stunden durch den norddeutschen Wald. Solche Seminare und Führungen gibt es überall in Deutschland. Hier gibt es beispielswiese eine Liste der Anbieter, die solche und andere Führungen durchführen.

Knospen von Salat- und Medizinbäumen

Ein Nahrungsmittel, das in den letzten Jahrzehnten komplett in Vergessenheit geraten ist, sind die Knospen und Blätter vom Bäumen. Viele Knospen kann man essen oder mit ihnen zum Beispiel einen Salat oder auch einen Grünen Smoothie verfeinern. Blätter gibt es über den ganzen Sommer, aber Knospen, die es nur jetzt einige Tage im Frühjahr gibt, sind besonders interessant. In ihnen stecken die kompletten genetischen Informationen für die ganze Pflanze und man geht davon aus, dass sie deshalb die höchste Potenz an Vitalität haben. In den Triebspitzen, jungen Schösslingen oder wachsenden Wurzelspitzen befinden sich besonders viele pflanzliche Wachstumsfaktoren und Nukleinsäuren. Spross der Heckenrose oder HundsroseDadurch sättigen sie nicht nur ungemein, sondern besitzen für den Menschen sogar Heilkraft. Wie (fast) immer, stieß man bei der Beobachtung von Tieren darauf, denn auch Feld und Waldtiere fühlen sich von bestimmten Knospen und Blättern angezogen.

Die Gemmotherapie – Heilkraft der Pflanzen

Diesen „lebendigsten“ Teil der Pflanzen macht man sich heute in der so genannten Gemmotherapie (gemma=lat. Knospen) zunutze. Der belgische Arzt Dr. Pol Henry entwickelte diese spezielle und sanfte Form der Therapie mit Pflanzen im letzten Jahrhundert.

In Frankreich (seit 1965) und Italien ist diese Form der Pflanzenheilkunde akzeptiert, bekannt und verbreitet. Außerhalb dieser beiden Länder ist sie nahezu unbekannt. Grundlage für die Gemmotherapie bildete Henry’s Werk „Bases Biologiques de la Gemmothérapie“, in dem er seine Beobachtungen und Studien beschreibt.

Die Gemmotherapie soll eine natürliche Harmonisierung und Regulierung des Körpers und die Anregung der Selbstheilungskräfte bewirken. Es gibt unterschiedliche Indikationen bei denen der Einsatz von Gemmotherapeutika sinnvoll ist. Insbesondere nach einer Infektion oder nach dem Einsatz von Antibiotika sind Gemmoheilmittel hilfreich. Sie regen den Zellstoffwechsel an und sollen entgiftend auf die Zelle und die Organe wirken.

Zur Gewinnung der Wirkstoffe werden Knospen und junge Triebe geerntet, gereinigt und in einem Glycerin/Ethanol-Gemisch mazeriert, d.h. die Inhaltsstoffe werden gelöst.

Alternativ kann man aber auch selber sammeln gehen und frische Knospen und Triebe nutzen. Wichtig ist dabei, dass man nicht mehr als 1 von 4 Knospen erntet, um den Baum nicht zu sehr zu beschädigen.

Die Knospen und Blätter folgender einheimischer Bäume und Sträucher sind genießbar und haben folgende Wirkung:

Edeltanne
  • Schleimlösend
  • Heilungsfördernd bei Knochenbrüchen
  • unterstützt den natürlichen Mineralhaushalt
Silberbirke
  • Reinigt den Stoffwechsel
  • wirkt entzündungshemmend
  • unterstützt das Nieren- und Blasensystem
  • regt den Leberstoffwechsel an
Esskastanie
  • Direkt entgiften und ausgleichend
  • steigert den Lymphfluss
  • unterstützt den Blutfluss im venösen Kreislauf
Gemeine Hasel
  • Entzündungshemmend
  • Verbessert die Elastizität des funktionellen Gewebes (Lunge etc.)
Gemeine Esche
  • Entzündungshemmend
  • vermehrt die Harnsäureausscheidung
  • senkt den Cholesterinspiegel
  • wirkt entwässernd und Blut reinigend
Walnussbaum
  • Entzündungshemmend, besonderes für die Haut
  • Entgiftend
  • Reguliert die Bauchspeicheldrüse
Wacholder
  • Fördert den Stoffwechsel der Leber
  • Entgiftend
  • Entwässernd
Eiche
  • Reguliert die Testosteronproduktion
  • Kräftigend
  • Entzündungshemmend
Schwarze Johannisbeere
  • Entzündungshemmend und schmerzlindernd
  • Antiallergisch – „pflanzliches Kortison“
  • Entgiftend
  • Aktiviert den Stoffwechsel
  • Schmerzlindernd
  • Einsatz bei Hauterkrankungen, Allergien, Migräne und zur Stimulierung des Immunsystems
Heckenrose
  • Entzündungshemmend bei Infekten der Atemwege
  • Stärkt die Immunabwehr
  • Bei Erkältungen, grippalen Infekten, Herpes, Arthrose der Kniegelenke
Rosmarin
  • Anregend für den Leber- und Gallenstoffwechsel
  • Blutreinigend
  • Ausleitend und entgiftend
Himbeere
  • Reguliert das weibliche Hormonsystem
  • Fördert die Funktion der Eierstöcke
  • Entspannend und krampflösend
  • Schmerzlindernd
  • Einsatz bei PMS und Wechseljahresbeschwerden
Silberlinde
  • Beruhigend, krampflösend, nervenstärkend
  • Bei Depressionen, Krämpfen, Ein- und Durchschlafstörungen, Nervosität und Unruhe
Heidelbeere
  • Reguliert den Blutzuckerstoffwechsel
  • Einsatz bei Blasenentzündungen und Durchblutungsstörungen
Preiselbeere
  • Östrogenartig
  • Bindet freie Sauerstoffradikale
  • Entzündungshemmend und desifizierend
  • Fördert Kalciumaufnahme
  • Einsatz bei Reizdarm, Blasenentzündungen, Osteoporose, frühem Altern

Natürlich ist das keine Entdeckung des 20. oder gar 21.Jahrhunderts. Schon Hildegard von Bingen und Goethe („Die Metamorphose der Pflanzen“) haben den Einsatz der Knospen von Apfel, Birke, Schwarzer Johannisbeere, Esskastanie, Esche und Silberlinde empfohlen.

Fazit

Wir wissen viel, aber eben nicht alles. Die Führung war definitiv eine Bereicherung für mich. Wie Walnussbaumunterschiedlich Knospen in unterschiedliche Reifestadien schmecken, welche Pflanzen wieviel Kraft haben und wie wir uns so natürlich gesund halten können. Ich glaube fest, dass die Natur bereits das enthält, was wir brauchen um gesund zu sein. Ich werde Bäume und Sträucher jetzt mit anderen Augen sehen, im Sommer sicher einen Sack voll Wallnussblätter besorgen und Tees daraus gegen meine Hautausschläge ausprobieren. Vor denen hatte ich nämlich diese Woche erstaunlich viel Ruhe.

Weiterlesen kannst du zum Beispiel hier:

http://www.gemmotherapie-deutschland.de

http://www.baumkunde.de

http://www.kaisackmann.de/info-sammlung/pflanzenthemen/essbare-baume/

Mediziner und Biologen werden zu dem Thema natürlich auch auf PubMed fündig.

 

4 Comments to “Warum man Laub- und Nadelbäume essen kann (und sollte)”
  • no.12
    11. April 2015 - Antworten

    Probier mal junge Buchenblätter. Da wirst du begeistert sein!!!!

  • Britta
    28. Dezember 2015 - Antworten

    Das ist mir absolut neu, dass man Laub- und Nadelbäume essen kann. Sehr interessant. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Gruß Britta

  • brigitte
    23. März 2016 - Antworten

    ich hoffe ihr beruecksichtigt die umweltverschmutzung und achtet auf einen guten standplatz..standplatz der baeume!

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