Was ist eigentlich ein durchlässiger Darm (leaky gut)?

Wer sich mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten rumschlagen muss und phasenweise jede Woche auf ein neues Lebensmittel stößt, das Verdauungsstörungen, Ausschläge, Schnupfen, Akne und ähnliches hervorruft, stößt irgendwann auf den Begriff leaky gut oder deutsch: durchlässiger Darm. Das leaky gut syndrom (LGS) wird von vielen deutschen Ärzten natürlich als Blödsinn angesehen, was wohl auch daran liegt, dass man es nicht mit einer Pille in 2 Wochen heilen kann. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, um was es hier eigentlich geht, denn immer mehr Menschen sind vom LGS betroffen bzw. erfahren Verbesserung ihrer Symptome, wenn sie LGS in Betracht ziehen und sich entsprechend ernähren und behandeln lassen.

Was ist das leaky gut syndrom (LGS)?

Das Problem beim LGS ist eine durchlässige Darmschleimhaut, die es uns unmöglich macht die Nährstoffe aus der Nahrung richtig aufzuspalten und aufzunehmen. Der Darm ist mit seiner Oberfläche von rund 500m² das größte Tor zur Außenwelt in unserem Körper. Ist er heil, filtert er „Gut“ und „Böse“ und sorgt dafür, dass Fremdkörper, Allergene und unverdauliches ausgeschieden werden. Die Darmschleimhaut funktioniert dabei wie ein Sieb. Eine erkrankte Darmschleimhaut kann man sich dann vorstellen wie ein löchriges Sieb, bei dem Fremdstoffe wie Antigene und Toxine und Makromoleküle einfach durchrutschen und in den Blutkreislauf und damit in unseren Organismus gelangen. Die Folge sind Immunreaktionen, die sich bei jedem anders auswirken. Die gängigsten Probleme sind wohl Kopfschmerzen/Migräne, Durchfall, Hautausschläge, Verschleimung/Schnupfen, aber auch anaphylaktische Schocks sind möglich.

Wie kann das passieren?glutenunverträglichkeit

Unser Darm ist in zwei Schutzschichten aufgeteilt. Die innerste Schicht ist das was wir Darmflora nennen. Sie besteht aus zahlreichen Mikroorganismen, die dafür sorgen, dass sich „böse“ Bakterien nicht ansiedeln können und dass die Nährstoffe richtig aufgespalten und weiter geleitet werden. Durch den wiederholten Konsum von Antibiotika im Laufe des Lebens kann hier eine ganze Menge schief gehen. Vor allem Breitband-Antibiotika werden als Ursache für eine gestörte Darmflora angesehen. Das kuriose ist eigentlich, dass vor allem kränkliche Kinder, die immer wieder unter Mandel-, Mittelohr-, Nasennebenhöhlenentzündungen, Bronchitis etc. leiden, ziemlich konsequent mit Antibiotika behandelt werden, obwohl ihnen eigentlich vor allem Darmbakterien fehlen, die zu einer gesunden Abwehr der Erreger führen würden. So verschlimmert man die Situation, sodass nach und nach auch Allergien und anderen Unverträglichkeiten Tür und Tor geöffnet ist. Auch ein Pilzbefall mit Candida bedingt durch fehlende Abwehr ist nicht selten.

Zur Dysbiose – also einer gestörten Darmflora – führt aber auch unser Lebensstil. Zucker, Kaffee, Stress, Medikamente (Chemotherapie und Kortison), Alkohol und vieles andere beeinflussen die Darmflora negativ, sodass unerwünschte Bakterien die Überhand nehmen und irgendwann die Darmschleimhaut langsam angreifen. Sie wird porös und ist dann nicht mehr in der Lage Antinährstoffe und Allergene aus dem Organismus fern zu halten. So schwächen wir unser Immunsystem systematisch.

Was kann man bei Leaky Gut tun?

Bakterien - 3D RenderLeider gibt es zum einen nicht DIE Therapie, zum anderen ist das Problem so vielfältig, dass auf ärztliche oder besser erfahrene naturheilkundliche Hilfe nicht verzichtet werden kann. Wie genau es um deine Darmflora steht, lässt sich in einschlägigen Labors durch eine Stuhlprobe relativ einfach ermitteln. In vielen Fällen hilft den Betroffenen in erster Linie eine allergenarme Kost und Ernährung nach dem Autoimmunprotokoll. Damit lässt sich der Darm entlasten und dem Körper werden tendenziell keine Auslöser mehr zugeführt. Problematisch sind in der Anfangsphase vor allem Getreide, Zucker, Milch und Milchprodukte, Hülsenfrüchte, alkoholische Getränke, Fermente wie Essig, Sauerkraut etc. Vor allem Zucker ist für unerwünschte Pilze ein echter Zündstoff.

Nach einer Karenzzeit von rund 4 Wochen erfahren viele Menschen schon eine deutliche Besserung ihrer Symptome. Die „bösen“ Bakterien, die sich unter Umständen schon ordentlich ausgebreitet haben, werden duch die Karenz ausgehungert.  So kann nach einer Zeit die Darmflora auch mit Probiotika wie Symbioflor I oder II oder anderen Bakterienkuren wieder aufgebaut werden. Das ist natürlich stark vereinfacht und es empfiehlt sich wirklich hier fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und nicht selbst rumzudoktern. Das spart sicherlich Zeit und Nerven.

In diesem Sinne: Gute Besserung!

P.S.: Wer mehr dazu erfahren möchte, findet auf dem deutschsprachigen Markt leider noch nicht so viel. Ein sehr guter Ansatz ist aber sicher in Sigi Nestrewkos Buch „Leaky Gut-durchlässiger Darm“ zu finden.

6 Comments to “Was ist eigentlich ein durchlässiger Darm (leaky gut)?”
  • Tina
    10. März 2014 - Antworten

    Leider gibt es wirklich nicht viel Literatur auf Deutsch, wer mehr darüber auf Englisch lesen möchte, erfährt vieles darüber im Buch von Dr. Natasha Campbell-McBride „GAP Syndrome“ – mitgeliefert wird auch gleich die Anleitung, wie man einen Leaky Gut wieder „versiegelt“ bekommt.

    • uuliv

      uuliv
      10. März 2014 - Antworten

      Vielen Dank für den Tipp, liebe Tina. Ich hab’s sofort bestellt. Es ist ein so relevantes Thema und ich bin der Überzeugung, dass es noch viel relevanter wird. Danke dir.

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